Montag, 31. August 2026

Was ich in diesem August nicht gemacht habe


Dieser August war anders. Nicht, weil besonders viel passiert ist, sondern gerade weil ich vieles nicht gemacht habe.

Ich bin diesen Monat nicht gereist. Nicht in meine Heimat und auch nicht an einen anderen Ort. Warum? Weil ich einfach keine Lust auf überfüllte Strände, volle Orte, Flughäfen, Flugzeuge und Züge hatte. Ich wollte meine Ruhe. So wenig Menschenmengen und äußere Reize wie möglich.

Und genau das habe ich mir erlaubt.

Ich habe im August auch nicht wirklich gearbeitet. Oder besser gesagt: Ich habe meine Arbeit auf ein Minimum reduziert. Nicht, weil ich keine Ideen oder keine Aufgaben hatte, sondern weil ich Abstand brauchte. Ich wollte wieder einen Überblick bekommen, ein paar Gedanken sortieren, Pläne für die Zukunft machen und vor allem: mich ein bisschen bremsen.

Ich habe viele Treffen abgesagt und meine Informationen von außen stark reduziert. Weniger Nachrichten, weniger Input, weniger Dinge, die meine Aufmerksamkeit beanspruchen. Und überraschenderweise hat sich das sehr gut angefühlt.

Ich habe keine Kleidung gekauft – obwohl ich das normalerweise wirklich gerne mache. 

Ich habe insgesamt weniger konsumiert, weniger geplant und weniger gemacht. Und trotzdem hatte ich nie das Gefühl, dass mir etwas fehlt. 

Vielleicht war genau das das Schönste daran.

Es gab Treffen – aber vor allem mit Menschen, die mir wirklich wichtig sind. Es gab Lektüre, allerdings eher leichte Bücher. Ich war natürlich auch draußen in Restaurants, aber entweder in wirklich guten oder eben gar nicht. Ich bin gewandert und habe mich dabei auf meine unmittelbare Umgebung konzentriert. Und dabei wieder einmal gemerkt, wie unglaublich viel sie eigentlich zu bieten hat.

Im Gegenteil: Die Tage waren voll, aber nicht überladen. Voll mit Dingen, die ich tatsächlich machen wollte. Ohne Termine, die schon Wochen vorher feststanden. Ohne das Gefühl, irgendwo sein zu müssen.

Ein herrliches Gefühl.

Ich werde wahrscheinlich auch auf meine üblichen „Inspirationen des Monats“ verzichten. Nicht, weil es keine Inspirationen gab, sondern weil ich für mich konsequent bleiben möchte. Diesen Monat ging es gerade darum, weniger von außen aufzunehmen. Weniger Empfehlungen, weniger neue Dinge, weniger „Das musst du sehen, lesen, hören oder ausprobieren“.

So könnte ich natürlich nicht dauerhaft leben. Das wäre auch gar nicht mein Ziel. Ich liebe Inspiration, Reisen, neue Orte, schöne Dinge, Restaurants und all das, was das Leben interessant macht.

Aber manchmal braucht es eine Pause davon.

Eine Pause, in der man wieder hört, was eigentlich von einem selbst kommt – und was nur von außen hereingetragen wird.

Ich bin jedenfalls froh, dass ich mir diesen ruhigen August gegönnt habe. Und jetzt freue ich mich darauf, den September mit neuer Energie zu begrüßen.

Nicht mit einer langen Liste von Vorsätzen. Einfach mit Ruhe und Lust auf das, was kommt.

Der letzte Augusttag.


Freitag, 7. August 2026

Bitteres Fest – der 25. Film von Pedro Almodóvar



Es gibt berühmte Regisseure, und es gibt Namen, die in der Kinowelt ihre Spuren hinterlassen und für die Ewigkeit bleiben. Pedro Almodóvar gehört ohne Zweifel zu diesen renommierten Regisseuren.

Er steht für mich in einer Reihe mit Größen wie Buñuel, Fellini, Pasolini, Antonioni … Seine Werke will man sehen, muss man sehen. Man empfiehlt sie weiter, weil sie etwas Besonderes sind.

Bitteres Fest – der 25. Film des Maestros. Und ja, ich habe alle 25 gesehen. Einige davon nicht nur einmal.

Ich kann mich noch gut an meine ersten Wahrnehmungen und Gefühle während seiner Filme erinnern. Dieses Gefühl, dass man vielleicht nicht alles sofort versteht, was da gerade passiert – und trotzdem völlig gefesselt ist und bis zum Ende weiterschauen will. Genau das ist diese Magie, die für mich wahre Kinokunst ausmacht.

Mein erster Almodóvar-Film war Matador. Dort habe ich für mich Antonio Banderas entdeckt – lange bevor er nach Hollywood ging. Damals war das tatsächlich mein kleiner "Crash". Danach kamen Labyrinth der Leidenschaften, Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs, Fessle mich!,  und viele andere.

Leidenschaftlich, provokativ und rebellisch – so wirkten diese Filme auf mich.

Und die Wahl des ersten Films war damals völlig spontan. Die Filme gab es auf Videokassetten, meistens in sehr schlechter Qualität. Man hörte oft noch den Originalton im Hintergrund, während eine einzige monotone Stimme einfach alle Rollen gleichzeitig synchronisierte. Ich habe die meisten Filme nachts gesehen, weil ich sie mir tagsüber schlicht nicht leisten konnte. (Und aus diesem Absatz kann man mein Alter ungefähr erahnen. 😄)

Erst später habe ich ganz bewusst nach seinen Filmen gesucht, sie auch im Kino gesehen – mit deutscher Synchronisation. Das waren natürlich ganz andere Erlebnisse.

Aber zurück zum 25. Film.

Ich wage gar nicht zu sagen, ob der Film gelungen ist oder nicht. Aber sehen muss man ihn auf jeden Fall. Wir lesen schließlich auch die neuen Bücher unserer Lieblingsautoren, einfach um uns selbst eine Meinung zu bilden.

Farben: sehr bunt, sehr hell, manchmal schrill, aber immer lebendig.

Stil: Kleidung, Räume, Ausstattung, Dekorationen, Villen – alles zum Genießen. Alles unverkennbar Almodóvar. Stilvoll bis ins kleinste Detail.

Musik: Wie immer wunderschön. Sie gehört zu Almodóvars Filmen einfach dazu und macht einen großen Teil ihrer Atmosphäre aus. Sie begleitet die Figuren, verstärkt die Emotionen und erzählt manchmal sogar das, was unausgesprochen bleibt. 

Spanien. Lanzarote. Man möchte sofort dorthin.

Die Figuren: Menschen, die sich selbst suchen, die leiden, lieben, scheitern und wieder aufstehen – wie so oft bei Almodóvar.

Die Mehrschichtigkeit: Wie immer steckt hinter der eigentlichen Geschichte noch so viel mehr.

Und natürlich stellt sich die Frage: Wie autobiografisch ist dieser Film? Hat der Maestro vielleicht auch über seine eigenen Krisen geschrieben? Über die Abhängigkeit eines Künstlers von seiner Arbeit? Denn ohne das Erschaffen wird man irgendwann leer, vielleicht sogar depressiv. Man will gestalten, erzählen, etwas hinterlassen. Und natürlich schöpft jeder Künstler aus seinen eigenen Erfahrungen. Vielleicht versucht man durch seine Werke auch, die eigenen Probleme zu verarbeiten. Die Antwort bleibt offen. 

Was ich bei mir selbst gemerkt habe: Ich bin diesen Filmen aufgewachsen.  Je älter ich geworden bin, desto ruhiger ist auch meine Wahrnehmung dieser Filme geworden. Früher haben sie mich emotional überwältigt, heute analysiere ich mehr. Ich genieße das Storytelling, die Gesten, die Farben, die Stille zwischen den Dialogen.

Für mich ist Bittere Fest ein schöner Film. Vielleicht nicht der stärkste von Almodóvar. Aber wieder ein neuer Film eines Regisseurs, dessen Werke ich niemals verpassen möchte.

Danke, MAESTRO.

Donnerstag, 30. Juli 2026

Inspirationen des Monats – Juli

 



Der Juli war sehr heiß und ein Monat voller kleiner Entdeckungen – im Kino, beim Lesen, auf Reisen und natürlich auch kulinarisch. Hier sind meine persönlichen Highlights.

Kino

Diesen Monat habe ich zwei sehr unterschiedliche Filme gesehen.

„Vivaldi und ich“ ist eine italienisch-französische Koproduktion mit der italienischen Sängerin und Schauspielerin Tecla Insolia in der Hauptrolle sowie Michele Riondino als Antonio Vivaldi. Vor der wunderschönen historischen Kulisse erzählt der Film vom Waisenhaus für Mädchen in Venedig, in dem Antonio Vivaldi arbeitete und einige seiner bekanntesten Werke entstanden. Neben der großartigen klassischen Musik, die den Film begleitet, steht die tragische Geschichte eines Mädchens im Mittelpunkt, das im Waisenhaus aufwächst. Es ist eine Geschichte über den Wunsch nach Freiheit – und darüber, dass dieser Kampf oft ein tragisches Ende nimmt. Besonders bewegt hat mich der Gedanke, dass Frauen auch heute noch in vielen Ländern nicht als gleichberechtigte Menschen, sondern eher als Besitz oder Gegenstand betrachtet und entsprechend schlecht behandelt werden. Gerade deshalb wirkt die Geschichte erschreckend aktuell.

Ganz anders war es bei „The Piano Tuner“. Ich bin eigentlich nur wegen Dustin Hoffman ins Kino gegangen, doch von ihm sieht man leider nur sehr wenig. Die Handlung war für meinen Geschmack zu vorhersehbar und wirkte stellenweise etwas oberflächlich. Wer jedoch klassische amerikanische Thriller mag und außerdem den charismatischen Hauptdarsteller Leo Woodall sehen möchte, für den lohnt sich der Film durchaus.

Trotzdem hat der Film etwas Positives bei mir ausgelöst: Er hat meinen alten Wunsch geweckt, wieder Klavier zu spielen. Nach meiner Zeit an der Musikschule war ich viel zu perfektionistisch. Ich mochte nicht, wie ich spielte, und anstatt weiter zu üben, habe ich ganz aufgehört. Vielleicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt, diesem Wunsch noch einmal eine Chance zu geben.

Lesen

Den Tipp zu „Witches, Bitches, It-Girls – Wie patriarchale Mythen uns bis heute prägen“ von Rebekka Endler habe ich von einer meiner Studentinnen bekommen – und ich hätte nicht erwartet, dass mich das Buch so positiv überrascht

Da ich selbst aus einer sehr patriarchalisch geprägten Kultur komme und viele dieser Denkmuster aus eigener Erfahrung kenne, spricht mich das Thema besonders an. Was mir außerdem gefällt: Das Buch macht neugierig auf weitere historische Recherchen. Es regt dazu an, mehr über Frauen zu erfahren, die in der Geschichte oft übersehen oder vergessen wurden. Ich hoffe, dass besonders junge Menschen dadurch inspiriert werden, sich intensiver mit diesen Geschichten zu beschäftigen.

 Reisen

Im Juli war ich wieder in Freiburg – eine meiner absoluten Lieblingsstädte. Diesmal habe ich drei Tage dort verbracht. Ich genieße es jedes Mal, durch die Altstadt zu schlendern, eine Wurst vor dem Münster zu essen und Studienfreunde zu treffen. Freiburg fühlt sich für mich immer ein bisschen wie nach Hause kommen an. Über diese Stadt werde ich sicherlich noch einen eigenen Beitrag schreiben.

Außerdem habe ich einen neuen Lieblingsort entdeckt: BlauSinn in Albsheim in der Pfalz. Auf Instagram hatte ich schon viele Fotos gesehen und wollte den Ort unbedingt einmal besuchen. Die wunderschöne Landschaft mit den weitläufigen Feldern erinnert fast ein wenig an die Provence. Vor Ort gibt es außerdem viele kleine, liebevoll ausgewählte Produkte zu kaufen. Ein perfektes Ziel für einen entspannten Sommerausflug.

 Gastronomie

Ein kulinarisches Highlight war Zum Stahl in Freiburg. Das Restaurant überzeugt mit authentischer Küche, einer schönen Atmosphäre und fairen Preisen. Eine klare Empfehlung, wenn ihr Freiburg besucht.

Auch Da Michele in Baden-Baden hat mir sehr gut gefallen. Ein kleines, aber feines italienisches Restaurant mit unkomplizierter, ehrlicher Küche. Jeden Tag eine neue Tageskarte mit leckeren Gerichten. Als wir dort waren, saß sogar der neue Oberbürgermeister von Baden-Baden im Restaurant. Da dachte ich sofort: Wenn er hier isst, kann es so schlecht nicht sein. Tatsächlich hat mich das Restaurant überzeugt – gutes, einfaches italienisches Essen, bei dem die Qualität im Mittelpunkt steht.

Das war es für Juli.  Ich freue mich auf Inspirationen vom kommenden August!

Dienstag, 30. Juni 2026

Juni_Inspirationen des Monats

 



Der Juni war sehr  heiß.  Er begann mit einer Hitzewelle, die uns Temperaturen von bis zu 38 Grad bescherte. Da ging es vor allem darum, irgendwo Abkühlung oder zumindest etwas Ablenkung zu finden 

Buch: Carlo Levi – Die doppelte Nacht: eine Deutschlandreise im Jahr 1958

Ein Buch, das mich mit seiner besonderen Atmosphäre und seinen Figuren lange beschäftigt hat. Carlo Levi erzählt ruhig, aber eindringlich und schafft eine Stimmung, die nachwirkt. Kein Buch für zwischendurch, sondern eines, das man mit Ruhe genießen sollte. Solche Bücher sind ein Muss, um Kultur und Geschichte besser zu verstehen, Parallelen zu ziehen und Zusammenhänge zu analysieren. Besonders schön ist dabei die Sprache.

Reise: Dijon

Ich war zum ersten Mal in Dijon – und ehrlich gesagt hatte ich keine großen Erwartungen. Umso positiver wurde ich überrascht. Die historische Altstadt ist wunderschön, die Atmosphäre entspannt und gleichzeitig lebendig. Dijon ist für mich viel mehr als nur die Stadt des Senfs und definitiv ein Reiseziel, das ich gerne wieder besuchen würde.

Gastronomie: Chapeau Rouge

Während meines Aufenthalts war ich im Chapeau Rouge essen – und es war einfach hervorragend. Kreative Küche, ausgezeichnete Zutaten und ein Service, der den Abend perfekt gemacht hat. Ein Restaurant, das ich jedem empfehlen kann, der Dijon besucht.

Musik: Jazz

Im Juni habe ich außerdem einige großartige Jazzkonzerte erlebt. Live-Jazz hat einfach eine besondere Energie.

Ein besonderer Tipp bleibt die Hemingway Lounge in Karlsruhe. Dort wird regelmäßig Live-Musik gespielt, und jeder Abend hat seinen eigenen Charakter. Für mich gehört sie inzwischen zu den schönsten Orten der Karlsruher Kulturszene.

Kunst:  Ausstellung in Baden Baden 

Ein weiteres Highlight war mein Besuch im Museum Frieder Burda in Baden-Baden. Die aktuelle Ausstellung „Wettstreit mit der Wirklichkeit – 60 Jahre Fotorealismus“ hat mich sehr beeindruckt. Zu sehen sind Gemälde, die auf den ersten Blick wie Fotografien wirken. Die Ausstellung ist noch bis 2. August 2026 zu sehen und lohnt sich auf jeden Fall.

 

Wandern: Weingarten und Umgebung

Als die Temperaturen endlich wieder angenehmer wurden, zog es mich nach draußen. Besonders gefallen haben mir die Wanderungen rund um Weingarten. Die Wege durch Wald und Weinberge sind abwechslungsreich und bieten immer wieder schöne Ausblicke. 

Der erste Sommermonat ist vorbei, und ich bin gespannt, was der Juli bereithält. Bis bald!

Montag, 22. Juni 2026

Jobs, die ich während meines Studiums in Deutschland gemacht habe


Wenn man in ein neues Land kommt, führt der Weg zum Traumberuf meistens nicht direkt ans Ziel. Natürlich gibt es viele verschiedene Wege, und wahrscheinlich hätte ich manches auch abkürzen können. Ein Anruf nach Hause hätte gereicht, und finanzielle Unterstützung wäre da gewesen. Aber ich bin wegen meiner Freiheit nach Deutschland gekommen. Ich wollte mir selbst – und wahrscheinlich der ganzen Welt – beweisen, dass ich alleine etwas erreichen kann.

Besonders reizvoll fand ich die Freiheit, mich unabhängig bewegen und Entscheidungen treffen zu können, ohne jemanden um Erlaubnis fragen zu müssen.

Bereits in meiner zweiten Woche in Deutschland habe ich angefangen zu arbeiten. Während des gesamten Studiums haben wir nebenbei gearbeitet. Unser Vorteil? Wir waren jung, hatten viel Ausdauer und wussten bei jeder Tätigkeit, dass sie irgendwann wieder vorbei sein würde.

Ich werde nicht alle Jobs aufzählen, sondern nur einige, an die ich mich besonders gut erinnere.

1. Straßenfeste

Das war überhaupt mein erster Job. Ich wurde als Getränkeverkäuferin eingestellt. Da ich aber den Dialekt überhaupt nicht verstand und die Realien des , konnte ich viele der Getränke, die ich verkaufen sollte, nicht einmal benennen. Nach etwa einer Stunde stand ich deshalb schon in der Küche und spülte Geschirr.

2. Gastronomie

Wie viele Studierende habe auch ich in der Gastronomie gearbeitet. Allerdings wollte und konnte ich nie als Bedienung arbeiten. Ich war nicht freundlich genug für diesen Job, und Kopfrechnen gehörte noch nie zu meinen Stärken. Deshalb habe ich fast immer in der Küche oder hinter der Bar ausgeholfen.

An kuriose Situationen erinnere ich mich bis heute. Zum ersten Mal in meinem Leben wurde ich angeschrien. Zunächst verstand ich nicht einmal, dass ich gemeint war. Mein Chef regte sich darüber auf, dass ich zu viel Sahne auf die Teller verteilt hatte. Als ich schließlich begriff, dass er mit mir sprach, bin ich einfach gegangen.

Ein anderes Mal wurde ich schlechter bezahlt als vereinbart. Ich habe mich zwar mit dem Arbeitgeber gestritten, zu Hause aber trotzdem geweint.

3. Versandhaus

Dort haben wir Kleidung sortiert, im Lager gearbeitet und Bestellungen vorbereitet.

Einmal habe ich verschlafen. Da ich sehr pflichtbewusst war und mir keine andere Lösung einfiel, bin ich mit dem Taxi zur Arbeit gefahren. Ich kam pünktlich an, aber ich glaube, selbst die Chefs des Versandhauses fuhren nur selten mit dem Taxi zur Arbeit. Entsprechend erstaunt wurde ich angeschaut.

4. Deutsche Post

Bei der Deutschen Post habe ich Nachtschichten gearbeitet. Um acht Uhr morgens saß ich entweder bereits in einer Vorlesung oder begann meinen zweiten Job.

Wir sortierten Briefe, bedienten riesige Maschinen und ordneten die Sendungen nach Postleitzahlen. Gegen fünf Uhr morgens durfte man sich hinsetzen und die Briefe manuell sortieren.

Vor Müdigkeit haben wir entweder gelacht oder sind direkt am Arbeitsplatz eingeschlafen.

5. Nachbarschaftshilfe

Diese Tätigkeit habe ich nur für eine begrenzte Zeit ausgeübt, meist an Wochenenden.

Vor oder nach der Pflege bereitete ich den Menschen Frühstück zu, unterhielt mich mit ihnen und half bei kleinen Alltagsaufgaben. Vor jedem Einsatz wusste ich nie, zu wem ich geschickt werden würde. Die Arbeit erforderte enorme Flexibilität, Ausdauer und Freundlichkeit.

Eine ältere Dame mochte mich besonders gern und bat immer wieder darum, dass ich zu ihr komme. Sie war klein, sehr dünn, hochintelligent und vom Leben gezeichnet.

Ich bereitete ihr das Frühstück zu, und anschließend saßen wir oft draußen in ihrem großen Garten und unterhielten uns über Kunst. An diese Gespräche erinnere ich mich bis heute.

6. Nachhilfeunterricht

Ich habe Schülerinnen und Schüler in verschiedenen Fächern unterstützt. Dabei habe ich gelernt, dass Geduld oft wichtiger ist als Fachwissen. Es war schön zu sehen, wie Kinder Fortschritte machten und mehr Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten entwickelten.

7. Putzen

Auch als Reinigungskraft habe ich gearbeitet.

Das Besondere war, dass ich in vielen Wohnungen eines Wohngebiets tätig war. Manchmal arbeitete ich sogar bei Nachbarn, ohne dass diese voneinander wussten. Viele dieser Menschen sind inzwischen verstorben, mit einigen wenigen bin ich bis heute in Kontakt.

Besonders gut erinnere ich mich an eine Frau, die unglaublich elegant und kultiviert war. Ich war alle zwei Wochen etwa fünf Stunden bei ihr. Sie deckte mir immer den Tisch, backte Kuchen, und wir verbrachten oft fast eine Stunde damit, uns zu unterhalten.

Als ich mein Studium beendet hatte, beendete ich auch all diese Tätigkeiten und begann, mich beruflich weiterzuentwickeln.

Heute denke ich manchmal, dass man sich diesen Weg vielleicht hätte leichter machen können. Damals schien er mir jedoch der einzige Weg zu sein, unabhängig zu sein.

Ich war immer flexibel, habe Menschen respektiert und wollte ständig etwas Neues lernen und erleben.

Rückblickend war es eine anstrengende, aber auch unglaublich interessante Zeit. :)


Freitag, 19. Juni 2026

Vier Tage in Dijon (Frankreich im Sommer 2026)


Ich habe mir vorgenommen, diesen Sommer Frankreich etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Irgendwie kenne ich das Land noch nicht so gut, obwohl es direkt vor der Haustür liegt. Also habe ich spontan vier Tage in Dijon verbracht – ohne großen Plan, ohne feste Liste von Sehenswürdigkeiten, einfach mit Neugier und Appetit.

Das Wetter in Dijon war angenehm, warm, aber nicht zu heiß. Ich bin unter der Woche gereist und war damit mitten im normalen Leben der Stadt. Genau das mag ich: nicht nur die touristische Kulisse zu sehen, sondern den Alltag zu spüren. Morgens die Menschen auf dem Weg zur Arbeit, die belebten Plätze zur Mittagszeit und die entspannte Stimmung am Abend.

Ich war ehrlich gesagt sehr positiv überrascht. Dijon hat eine angenehme Größe, wirkt lebendig und gleichzeitig entspannt. Da ich keinen ausgearbeiteten Plan hatte, bin ich einfach losgezogen – wie ein hungriger Tourist, der sich treiben lässt. Mal durch kleine Gassen, mal über Märkte, mal auf der Suche nach dem nächsten Café.

Und natürlich gehört für mich zu jeder Reise mindestens ein Besuch in einer Pâtisserie. In Dijon war das keine Ausnahme. Der Duft von frischem Gebäck, knusprigen Croissants und feinen Törtchen gehört für mich einfach zu Frankreich. Sich morgens ein Gebäck zu holen und dazu einen Tee zu trinken, ist oft schon ein kleines Reisehighlight.

Kulinarisch durfte natürlich auch die traditionelle burgundische Küche nicht fehlen. Wer nach Dijon reist, kommt an den Klassikern der Region kaum vorbei. Kräftige Schmorgerichte, regionale Spezialitäten und natürlich der berühmte Senf gehören einfach dazu. Für mich war das ein Muss – und einer der Gründe, warum ich Frankreich künftig noch intensiver entdecken möchte.

Vier Tage sind nicht viel, aber genug, um Lust auf mehr zu bekommen. Dijon war für mich ein gelungener Einstieg in meinen Frankreich-Sommer 2026. Und wenn die nächsten Ziele ähnlich positiv überraschen, dann wird das ein sehr genussvoller Sommer.

Sonntag, 31. Mai 2026

Mai_ Insipirationen des Monats


Der Mai war bei mir irgendwie politisch geprägt. Nicht, weil ich gezielt Nachrichten verfolge – das tue ich eher selten –, sondern weil sich die Themen in den Büchern, Filmen und Gesprächen, die mich diesen Monat begleitet haben, immer wieder um Macht, Gesellschaft und Veränderung drehten.

Hier sind einige Inspirationen und Entdeckungen des Monats:

Film

"La Grazia" von Paolo Sorrentino

Gesehen im Original mit deutschen Untertiteln. Der Film zeigt auf sehr menschliche Weise, wie belastend Verantwortung und Macht sein können. Im Mittelpunkt steht ein erfahrener Politiker, der von seiner Rolle müde geworden ist. Muss aber  seine letzte politische Entscheidungen treffen. Ein ruhiger, nachdenklicher Film, der viele Fragen offenlässt und gerade deshalb lange nachwirkt.

Empfehlung: Für alle, die politische Geschichten mögen, die weniger von Politik als von Menschen erzählen.

Buch

"Die Stunde der Raubtiere" von Giuliano da Empoli

Ein kluges und provozierendes Buch über Macht und die politischen Entwicklungen unserer Zeit. Nicht allen Gedanken würde ich zustimmen, aber genau das macht die Lektüre spannend.

Empfehlung: Ein lesenswertes Buch für alle, die aktuelle politische Entwicklungen besser verstehen möchten. Die vielen Verweise auf historische Persönlichkeiten und Ereignisse regen dazu an, selbst weiter zu recherchieren und Zusammenhänge neu zu betrachten.

Wanderungen

Armenien

Ich war eine Woche in Armenien unterwegs. Das Land befindet sich in einer Zeit großer politischer Veränderungen, die man besonders in Jerewan spürt. Mich zog es allerdings vor allem in die Natur.

Die armenischen Landschaften haben für mich etwas sehr Spirituelles. Besonders schön waren die Täler und die Wiesen voller Mohnblüten – wie in meiner Kindheit. Das weckte viele nostalgische Gefühle. Der Besuch des Tatev-Kloster war ein weiterer Höhepunkt der Reise.

Mosel

Endlich habe ich die Mosel besucht. Weinberge, Flussschleifen und kleine Dörfer machen die Region zu einem wunderbaren Ziel für Wanderungen und kurze Auszeiten.

Empfehlung: Für alle, die Natur, Weinlandschaften und Ruhe suchen.

Kulinarisches

Basho-An in Freiburg

Authentische japanische Küche, sehr frisch und hochwertig. Eine klare Empfehlung für alle, die japanisches Essen mögen.

Tosca do Jose in Karlsruhe

Besonders der Oktopus-Salat hat mir sehr gut gefallen. Dazu gibt es viele leckere Gerichte zum Teilen.

Yasaman am Sewansee

Direkt am See gelegen, mit wunderschönem Ausblick und ausgezeichnetem regionalem Fisch.

Empfehlung: Der perfekte Ort für eine entspannte Mittagspause nach einem Ausflug an den Sewansee.

Das war es für diesen Monat. Ich freue mich auf den Juni und auf den Sommer 2026! 


Freitag, 1. Mai 2026

Der 1. Mai

Der erste Mai ist ein besonderer Tag in unserer Familie. An diesem Tag wird gefeiert: Mein Vater hat Geburtstag, und das bedeutet meistens, dass das Haus voller Menschen ist. Freunde, Familie, Nachbarn – bei uns war immer etwas los. Zum Glück war es auch dieses Jahr wieder so.

Mein Vater ist ein besonderer Mensch. Nicht, weil er berühmt wäre, sondern weil er zu den Menschen gehört, die von anderen aufrichtig geliebt werden.

Er stammt aus einem kleinen Dorf. Meine Großeltern bauten Gemüse an. Das Leben war einfach, geprägt von harter Arbeit und traditionellen Werten. Mein Vater wollte jedoch immer mehr sehen, mehr erleben. Er träumte von einem anderen Leben, von einer größeren Stadt und neuen Möglichkeiten. Er verließ sehr früh seine Heimat, heiratete und zog eine eine schöne Stadt im Süden um. 

Meine Eltern waren jung, als sie heirateten. Es war ein klassischer Lebensweg unserer Kultur: Der Mann arbeitete, die Frau blieb zu Hause. Meine Mutter war Hausfrau – nicht unbedingt, weil sie es selbst unbedingt wollte, sondern weil es damals bei uns nicht üblich war, dass Frauen arbeiten gingen. Das war kulturell geprägt und für viele Familien selbstverständlich.

Mein Vater war und immer noch  voller Lebensfreude. Er hat diese besondere Fähigkeit, das Leben zu genießen und selbst kleine Dinge groß wirken zu lassen. Er träumt nicht nur, er versucht auch, seine Träume wahr werden zu lassen. Ständig hatte er neue Ideen: Autos, die er umbaute, große Fußballspiele mit Freunden im Stadion, spontane Reisen oder riesige Partys. 

Ich erinnere mich auch an unser erstes Auto. Nichts Besonderes, klein und unscheinbar. Aber als mein Vater damit nach Hause kam, war er so stolz und glücklich, dass diese Freude sofort auf uns überging. Wir durften mitfahren, jubelten auf den Rücksitzen und waren überzeugt, im schnellsten Auto der Welt zu sitzen. Wir schrien: „Papa, schneller!“ – und er lachte nur und gab noch mehr Gas. In solchen Momenten war er selbst wie ein Kind.

Mein Vater beherrscht die Kunst, Kontakte zu knüpfen und Menschen miteinander zu verbinden. Dadurch waren wir überall eingeladen. Ich hatte das Glück, die meisten Veranstaltungen mit einer Einladung besuchen zu dürfen 

Selbst in schweren Zeiten organisierte er große Feiern und brachte die unterschiedlichsten Menschen an einen Tisch zusammen. Bei uns saßen einfache Nachbarn neben angesehenen Beamten oder bekannten Persönlichkeiten der Stadt. Alle lachten zusammen, alle fühlten sich willkommen. Mein Vater hat diese seltene Gabe, Menschen das Gefühl zu geben, dazuzugehören.

Später, als es ihm finanziell besser ging, half er vielen Menschen. Oft wussten wir als Familie gar nichts davon, weil er nie damit prahlte. Erst Jahre später erfuhren wir davon. Irgendwo begegnete uns jemand und fragte plötzlich: „Bist du die Tochter von …? Dein Vater hat uns damals geholfen.“ So erfuhren wir nach und nach, dass er Familien unterstützte, Schulen mitfinanzierte oder sogar Krankenhäusern geholfen hat.

Von meinem Vater habe ich und meine Schwester viele Werte gelernt: Freundschaft, Bodenständigkeit, Respekt vor anderen Menschen und die Fähigkeit, das Leben nicht zu ernst zu nehmen. Er vermittelt diese besondere Einfachheit, ohne dabei selbst einfach zu sein. Gleichzeitig zeigt er uns, dass nichts für immer bleibt und man dankbar für die kleinen Momente im Leben sein sollte.

Er ist ein sehr traditioneller Mann. Ein Mensch mit konservativen Vorstellungen, in denen Männer oft die dominante Rolle einnehmen. Und ich bin diejenige, die genau das immer wieder hinterfragte und dagegen "still" rebellierte. Obwohl ich meinen Vater sehr liebe, ging vor vielen Jahre ich meinen eigenen Weg.

Mein Vater war immer eine Art Sicherheit für uns. Vielleicht nicht immer körperlich präsent, aber emotional war er immer da. Man hat das Gefühl: Solange mein Vater da ist, wird irgendwie alles gut. 

Mein Vater hat auch viel Humor. Wir lachen viel, wenn wir zusammen sind. 

Ich erinnere mich an einen Moment auf dem Markt. Wir waren noch klein. Meine Mutter läuft ein Stück vor uns, plötzlich ruft mein Vater laut ihren Namen. Der ganze Markt dreht sich um. Dann schreit er quer über den Platz: „Liebst du mich?“ Alle Menschen lachen. Meine Mutter schreit zurück: „Ja, sehr!“ Und er grinst zufrieden wie ein kleiner Junge.

Meine Eltern lieben sich. Meine Mutter hat ihm vieles verziehen, und mein Vater liebt sie auf seine Weise ebenfalls – chaotisch, manchmal kompliziert, aber immer ehrlich.

Kurz nach der Corona-Zeit erfuhren wir, dass mein Vater krank ist. Meine Schwester und ich haben lange geweint. Irgendwann kommt  plötzlich diese Angst: die Angst, diese Sicherheit, die mein Vater immer ausstrahlte, zu verlieren. Erst in solchen Momenten versteht man wirklich, wie sehr die eigenen Eltern das Fundament des eigenen Lebens sind. Ich und meine Schwester haben dann beschlossen, nicht mehr zu heulen. Das gehört auch zum Leben. Und mein Vater mag es auch nicht irgendwie bemitleidet  zu werden. Er genießt sein Leben weiter, trifft sich mit Freunden, trinkt Alkohol, raucht und fährt viel Auto. 

Und wir werden selbstverständlich für unsere Eltern da sein, so wie sie immer für uns da waren und sind. 

Eigentlich ist mein Vater ein ganz gewöhnlicher Mensch. Und gleichzeitig einer dieser seltenen Menschen, die Spuren im Leben anderer hinterlassen.

Mittwoch, 22. April 2026

Wenn Nostalgie vererbt wird

Nostalgie – ein sehr intensives Gefühl. Jeder von uns kennt es, und mindestens einmal im Leben hat man es erlebt. Ich spreche heute jedoch über nostalgisches Heimweh.

Heimweh ist an sich kein schlechtes Gefühl. Es kann etwas Schönes sein, an eigene Heimat oder an eigene Familie oft zu denken. Gleichzeitig kann es aber auch belastend und sogar destruktiv wirken. Besonders betroffen sind Kinder von Migranten.

Ich bin selbst so aufgewachsen. Ich habe es geliebt – und liebe es immer noch –, die Geschichten von früher zu hören. Geschichten meiner Großeltern und meiner Eltern über Orte, aus denen sie kommen, die sie oft lange nicht mehr besucht haben oder vielleicht nie wieder besuchen konnten und die auch ich wahrscheinlich nie sehen werde.

Diese Erzählungen waren für mich sehr lebendig. Ich habe mir alles vorgestellt: die Natur, das Essen, die Menschen, das Leben dort. Teilweise haben wir sogar versucht, gewisse Lebensweisen oder Traditionen beizubehalten.

Kinder nehmen solche Geschichten besonders intensiv auf. Wir wachsen mit Erinnerungen und Erfahrungen auf, die sehr emotional, oft idealisiert und zugleich subjektiv sind. Sie gehören nicht uns direkt, aber sie prägen uns trotzdem stark.

Wenn man noch klein ist und keine eigenen Erfahrungen hat, ist man auf diese Erzählungen angewiesen. So entstehen im Kopf viele Bilder und Vorstellungen, und man fühlt sich automatisch mit diesen Erinnerungen verbunden.

Daraus kann sich ein Gefühl entwickeln, das schwer einzuordnen ist: Man spürt eine Verbindung zu einem Ort oder einer Geschichte, obwohl man selbst nie dort war. Gleichzeitig entsteht manchmal auch das Gefühl, anders zu sein oder zwischen zwei Welten zu stehen.

Man versucht, sich einzuordnen und zu positionieren. Und das ist ein widersprüchliches Gefühl. Einerseits möchte man dazugehören und genauso sein wie alle anderen. Andererseits bleibt dieses Gefühl, nicht vollständig dazuzugehören. Das ist weder gut noch schlecht – es ist einfach eine besondere Erfahrung.

Im Laufe der Zeit verändert sich dieses Gefühl. Bei mir persönlich ist es so, dass ich weniger einen konkreten Ort vermisse, sondern eher eine Zeit oder einen Zustand. Und ich weiß nicht genau, ob das gut oder schlecht ist.

Ich denke, das betrifft viele Kinder von Migranten. Sie wachsen mit der Nostalgie ihrer Eltern und Großeltern auf, sind reich an kulturellem Kontext, müssen sich aber gleichzeitig immer wieder selbst neu positionieren. Sie lernen früh, Unterschiede wahrzunehmen und flexibel damit umzugehen.

Es ist auf seine eigene Weise eine besondere und interessante Erfahrung, ein Kind von Migranten zu sein.


Dienstag, 7. April 2026

Eine wohltuende Auszeit

Ich habe mich auf Ostern vorbereitet – gebacken, kleine Dinge besorgt, alles wie immer verschenkt. Ich habe ein paar Menschen besucht, gelächelt, Gespräche geführt. Und trotzdem war da dieses Gefühl: Ich wollte einfach weg.

Ich hätte Freunde besuchen können, natürlich. Aber selbst das fühlte sich zu viel an. Ich wollte allein sein. Wirklich allein. Ruhe haben – nicht nur um mich herum, sondern auch in mir. Ich glaube, Menschen, die introvertiert sind und ständig von vielen Eindrücken umgeben sind, verstehen dieses Bedürfnis.

Ich war müde. Nicht körperlich, sondern innerlich. Zu viele Gedanken, die sich nicht leise stellen wollten. Und gleichzeitig diese seltsame Leere. Ich wollte nicht weit weg, aber weit genug, um wieder bei mir anzukommen.

Was macht man in so einem Moment? Man geht einfach. Ohne großen Plan. Ich bin zum Bahnhof gegangen, habe auf die Anzeigetafel geschaut – und mich treiben lassen. Ein paar Stunden später war ich an einem anderen Ort. Genau das habe ich gebraucht: Abstand. Keine Stimmen, keine Erwartungen, kein ständiges Erreichbarsein. Nur ich.

So bin ich für zwei Nächte in einem kleinen Spa-Hotel im Schwarzwald gelandet. Es war spontan, vielleicht auch etwas teuer – aber genau richtig. Und obwohl es ein Spa-Hotel war, ging es mir gar nicht um Wellness. Es ging darum, bei mir selbst anzukommen.

Ich habe nichts gemacht. Und genau das war alles. Ich war draußen, viel draußen, in der Natur. Beim Wandern hatte ich nicht einmal das Bedürfnis, Fotos zu machen, etwas zu posten oder mit jemandem zu kommunizieren. Ich war einfach da – still, präsent, ganz bei mir. Langsam wurde es ruhiger in mir.

Auf dem Rückweg habe ich noch meine Freundin in Baden-Baden besucht. Ein Abendessen dort tut immer gut. Wir haben gelacht. Sie kennt mich – sie weiß, dass ich manchmal Abstand brauche. Und so war es wieder in Ordnung.

Jetzt bin ich zurück. Morgen beginnt wieder der Alltag. Aber etwas ist anders – ein kleines Stück mehr bei mir selbst.

Es war ein schönes, langes Wochenende.:)


Sonntag, 15. März 2026

Dienstagabend mit Jarmusch



Es gibt Filmemacher, bei denen man einfach weiß: Das wird ein guter Abend. Kein Zweifel. Kein großes Nachdenken. Man geht einfach hin.

So ging es mir auch, als ich gesehen habe, dass ein neuer Film von Jim Jarmusch im Kino läuft.

Ein paar Nachrichten verschickt, ein paar Menschen gefragt, für die dieser Name auch etwas bedeutet. Und so saßen wir am Dienstagabend im Kino. Erst zu zweit, dann zu dritt, dann zu viert – und wie das oft bei solchen Abenden ist, kamen spontan noch ein paar Leute dazu. Im Kino selbst haben wir natürlich auch noch ein paar Bekannte getroffen.

Ich persönlich mag kein Popcorn im Kino. Die anderen schon. Sie haben es sich gemütlich gemacht: Popcorn, Getränke – und tatsächlich sogar Wein.

Der Saal war halb leer. Eine angenehme Leere. Man sitzt zusammen und hat trotzdem Raum für sich.

Und dann begann der Film: Father Mother Sister Brother.

Drei kleine Geschichten über drei Familien. Drei Länder. Drei verschiedene Lebensrealitäten. Und doch geht es immer um das Gleiche: um Nähe, um Distanz, um das, was Menschen miteinander verbindet – und manchmal auch voneinander trennt.

Ganz typisch für Jarmusch: ruhig erzählt, mit langen Blicken, kleinen Gesten und Momenten, in denen scheinbar nichts passiert – und doch alles gesagt wird. Keine großen Dramen, keine lauten Effekte. Nur Menschen. Beziehungen. Leben.

Einfach, menschlich, still – und gerade deshalb so nah an der Realität. Ich habe den Film genossen. 

Aber eigentlich endete der Abend nicht mit dem Film.

Neben dem Kino gibt es ein kleines Café. Es gehört einer Bekannten. Ein Ort, an dem immer jemand sitzt, den man kennt – oder jemanden kennenlernt.

Das Café war voll. Trotzdem haben wir noch einen Tisch gefunden.

Und da saßen wir dann: ein paar alte Bekannte, ein paar neue Gesichter:  Künstlerinnen, die gerade ihre Ausstellungen vorbereiten und darüber auch erzählten. Menschen, die diskutieren, lachen, erzählen.

Wir waren laut. Wir waren fröhlich. Und wir waren uns einig: Der Film war schön. Einer von diesen Filmen, die etwas mit der Stimmung machen. Nicht spektakulär – aber irgendwie wohltuend.

Am Nebentisch wurde noch über einzelne Szenen diskutiert. Über Beziehungen. Über das, was im Film nur angedeutet wird.

Ich habe zugehört, gelächelt und meinen Tee getrunken. Und gedacht:

Manchmal ist es genau das – ein Film, ein paar Menschen, ein volles Café – was einen Abend besonders macht.

Und ja, solche Abende bleiben in Erinnerung. Es war schön. 

Sonntag, 1. März 2026

Februar_Inspirationen des Monats


Heute ist der erste Tag des Frühlings – und ich merke, wie sehr ich darauf gewartet habe. Je älter ich werde, desto größer wird meine Sehnsucht nach Licht, Wärme und diesem Gefühl von Neubeginn.

Ich versuche zwar, jeder Jahreszeit etwas Schönes abzugewinnen – aber wenn ich ehrlich bin, war der Februar für mich vor allem kalt, grau und faul. Es war ein Monat des Rückzugs. Viel Arbeit am Laptop, viel Nachdenken, viel Planen im Hintergrund. Nicht besonders spektakulär, aber vielleicht genau deshalb wichtig.

Reisen

Viel unterwegs war ich nicht. Eher kleine Wochenendtrips – und genau diese mag ich inzwischen besonders gern. Kurz rauskommen, durchatmen, Abstand gewinnen.

Ein Wochenende ging es nach Zürich. Diese Stadt hat für mich etwas Beruhigendes. Sie ist elegant, klar, fast unaufgeregt – und genau das tut mir gut. 

An einem Abend  in der Jules Verne Panoramabar zu sitzen, über den Dächern der Stadt, mit einem Cocktail in der Hand und diesem Blick über die Lichter – das sind Momente, in denen ich einfach still werde. Das ist schon wie eine Tradition geworden. 

Und natürlich ein Besuch bei Sprüngli am Paradeplatz. Ein Tee, ein Stück Kuchen, ein bisschen Zeit. Es sind keine großen Ereignisse – aber genau diese kleinen Rituale machen einen Aufenthalt für mich besonders.

Ich besuchte noch in Winterthur meine beste Freundin. Es war auch ein schöner Abend mit viel Lachen und Erinnerungen. 

Kunst & Kultur

Im Kino habe ich „Extrawurst“ gesehen. Eine deutsche Komödie, leicht erzählt – und trotzdem ziemlich treffend. Ich musste viel lachen, manchmal auch ein bisschen über uns alle. Über Diskussionen, die sich im Kreis drehen, über Empfindlichkeiten, über gesellschaftliche Absurditäten. Es tat gut, das Thema einmal humorvoll zu betrachten.

Sehr bewegt hat mich ein Vorleseabend mit Gedichten von Mascha Kaléko und Erich Kästner. Ich kannte viele Texte bereits – aber sie noch einmal laut zu hören, in einem Raum voller Menschen, war etwas anderes. Ihre Worte sind fein, klug und manchmal schmerzhaft klar. Und erschreckend aktuell. Das hat mich mehr getroffen, als ich erwartet hatte.

Wandern

Trotz Kälte war ich am Mummelsee wandern. Winterlandschaften haben für mich etwas Ehrliches. Keine Ablenkung durch Farben oder Blüten – nur klare Luft, Stille und das Knirschen des Schnees unter den Schuhen.

Diese Einfachheit hat etwas Beruhigendes. Fast Meditatives.

Bücher

Mein Buch im Februar war Dark Matter von  Blake Crouch. 

Science-Fiction ist eigentlich nicht mein Genre. Normalerweise greife ich nicht zu solchen Geschichten. Aber auf Empfehlung habe ich dem Buch eine Chance gegeben – und wurde überrascht.

Es geht um Entscheidungen, verpasste Wege, alternative Lebensentwürfe. Um die Frage, wer wir wären, wenn wir uns anders entschieden hätten. Das hat mich mehr beschäftigt, als ich dachte.

Vielleicht gerade, weil ich selbst viel plane und über „Was wäre wenn?“ nachdenke.

Das war mein Februar.

Kein lauter Monat. Aber einer mit kleinen Momenten, die gutgetan haben.

Und auch wenn die Weltlage gerade vieles schwer wirken lässt, versuche ich bewusst, diese kleinen Lichtblicke wahrzunehmen. Ein Gespräch. Ein Gedicht. Ein Spaziergang. Ein Stück Kuchen mit Blick über eine Stadt.

Manchmal reicht das schon.

Ich wünsche euch einen helleren März. 

Dienstag, 17. Februar 2026

Alles Liebe, Mama

Heute hat meine Mama Geburtstag.

Und ich wollte unbedingt etwas schreiben.

Ich gehöre zu den Menschen, denen es nicht leichtfällt, Liebe in Worte zu fassen. Ich zeige sie anders. Heute habe ich angerufen. Die Blumen sind schon bestellt. Aber trotzdem hatte ich das Bedürfnis, ein paar Gedanken aufzuschreiben.

Natürlich ist jede Mutter für ihr Kind etwas Besonderes. So soll es auch sein.

Meine Mutter war sehr jung. Mit 18 hat sie zufällig meinen Vater kennengelernt – es war Liebe auf den ersten Blick. Hochzeit. Ein neues Leben. Ein anderes Land. Als sie 19 war  kam ich auf die Welt.

Und so waren wir zwei – meine Mutter und ich – in einem Land, das für sie fremd war. Mein Vater versuchte zunächst in einer anderen großen Stadt sein Glück, später kamen wir nach. Fünf Jahre lang lebten wir in gemieteten Wohnungen. Ein Koffer, nicht viele Dinge – aber viel Hoffnung.

Die Beziehung zu meinem Vater?
Alles andere als einfach. Aber die Liebe war stärker. Sie ist es bis heute. Sie sind immer noch zusammen. Sie haben sich gemeinsam etwas aufgebaut. Und meine Mutter war und ist immer für ihn da. Und für uns sowieso.

Wir haben gute und schwere Zeiten erlebt. Finanziell war es nicht immer leicht. Aber sie hat nie gejammert. Nie.
Sie war auf uns fokussiert – manchmal vielleicht sogar ein bisschen zu sehr.

Sie ist ein einfacher Mensch. Manchmal naiv. Aber gleichzeitig souverän. Sie vergleicht sich mit niemandem. Und manchmal beneide ich sie um genau dieses Gefühl.
Sie ist orientalisch geprägt. Zu Hause bei uns ist sie stark und präsent, draußen kann sie noch immer schüchtern sein. Und selbst als mein Vater gesellschaftlich bekannter wurde, ist sie geblieben, wie sie ist: einfach und bodenständig.

Was sie ausmacht, ist diese hundertprozentige Liebe – ohne Wenn und Aber.
Und ihre Ehrlichkeit. Sie hat nie etwas vorgespielt. Nie mit unseren Gefühlen gespielt.

Natürlich übertreibt sie manchmal mit ihrer Fürsorge und vergisst, dass wir längst erwachsen sind. Aber vielleicht ist genau das die Mutterliebe.

Sie war Hausfrau, weil mein Vater nicht wollte, dass sie arbeitet. Sie hat das akzeptiert.
Aber ich glaube, tief in ihrem Inneren gab es immer diesen Wunsch nach Freiheit. Und genau das habe ich von ihr geerbt.

Meine erste Reise nach Paris verdanke ich ihr. Sie hat mich ziehen lassen. Und sie hat nie ein schlechtes Gewissen in mir erzeugt, als ich meinen eigenen Weg gegangen bin – auch wenn ich weiß, dass sie mich immer noch vermisst und auf mich wartet. 

Empathie. Intuition. Geduld.
Das sind ihre größten Stärken.

Sie kennt uns, ohne dass wir viel erklären müssen. Ihre Intuition ist stark – manchmal fast beängstigend stark. Und ich glaube, auch das habe ich von ihr.

Was ich an meiner Mutter besonders schätze – und was ich von ihr übernommen habe – sind Empathie und Kompromissbereitschaft.

Ich war in der Familie oft diejenige, die unzufrieden war, die sich beschwert hat. Meine Mutter war dann ernst zu mir. Sie sagte immer: „Sei froh. Sei zufrieden mit dem, was du hast. Andere haben das nicht.“ Damals wollte ich das nicht hören. Heute verstehe ich es.

Und wir durften ihr immer alles sagen. Wirklich alles. Mussten wir aber nicht. 

Manchmal machen wir Witze und sagen: „Du weißt doch sowieso alles.“
Und sie lächelt – weil es stimmt.

Sie versteht kein Deutsch. Und diesen Text wird sie nie lesen.
Aber ich wollte ihn trotzdem schreiben.

Danke, Mama.
Ich liebe dich.




P.S. Eigentlich war ich kein Sorgenkind. Aber meine Mutter hat mich paar mal verloren und erzählt das immer wieder.  

  1. Als ich zwei oder drei Jahre alt war, wurde ich von zwei Personen auf dem Markt entführt. Zum Glück hat die Polizei mich gefunden. Ich kann vorstellen, was sie in diesen Stunden gefühlt hat.

  2. Mit fünf bin ich weggelaufen. Wir waren in der Stadtmitte und plötzlich stand ich alleine. Ich dachte, meine Mutti sei weggegangen und ich musste etwas unternehmen. Also bin ich allein einen langen Weg zum Onkel meines Vaters gegangen. Währenddessen hat sie mich verzweifelt mit der Polizei gesucht. 

  3. In meiner ersten Schulwoche kam ich an einem Tag nicht nach Hause. Ich war auf einem Spielplatz und wollte einfach spielen. Sie hat mich weit entfernt von unserem Haus gefunden.

  4. Liebe Mama, ich komme zurück, mach dir keine Sorgen:) 



 


Donnerstag, 12. Februar 2026

Die Kraft der leisen Begegnungen

Nach etwa einem Monat bei meinen Eltern bin ich wieder zurück in Deutschland. Heute war ich mit einer Bekannten frühstücken. Ein langes, spontanes Frühstück, ein kleiner Austausch – und viele Gedanken danach.

Inzwischen kenne ich ziemlich viele Menschen in meiner Stadt. Ich bekomme oft Einladungen zum Essen oder einfach auf einen Kaffee. Über ein Jahr verteilt kommen da zum Glück viele Treffen zusammen. Manchmal mache ich scherzhaft den Witz, dass die Leute vielleicht denken, ich hätte nicht genug zu essen, weil sie so oft mit mir essen gehen wollen. Natürlich ist das Spaß. Aber es ist schön, eingeladen zu werden.

Manchmal helfe ich anderen, ohne es bewusst zu merken. Oft habe ich schon gehört: „Weißt du noch, was du damals gesagt hast? Das hat mir wirklich geholfen.“ Ehrlich gesagt erinnere ich mich nicht an alle Gespräche so genau. Aber anscheinend bleiben Worte manchmal länger bei anderen als bei einem selbst.

Es gibt Treffen, die neue Ideen oder Gedanken bringen. Ich treffe mich nur, wenn ich es wirklich möchte. Ohne Erwartungen. Ohne Neid. Ohne etwas von der anderen Person zu wollen. Und ich glaube, genau das macht den Unterschied. Menschen spüren das. Vielleicht verbringen sie deshalb gern Zeit mit mir.

Ich bin nicht besonders extrovertiert. Große Gesellschaften liegen mir nicht. Aber ich liebe diese spontanen Treffen. Daraus entstehen oft regelmäßige Begegnungen. Neue Menschen kommen dazu. Ich selbst bin selten die Initiatorin – ich werde eingeladen. Das berührt mich sehr. 

Ich glaube, viele Menschen sehnen sich nach echten Gesprächen, nach Nähe, nach Ruhe. In unserem stressigen Alltag ist das selten geworden. Manche sagen, ich strahle Ruhe aus. Vielleicht. Auch wenn es in mir nicht immer ganz so ruhig ist. Ich gehöre zu den Menschen, die ihren inneren Zustand selten zeigen – nur denen, denen sie wirklich vertrauen. Vielleicht, weil ich Jammern nicht besonders mag.

Wenn ich merke, dass ich Abstand brauche, ziehe ich mich zurück. Ich brauche Zeit und Ruhe, um meine Gedanken zu sortieren. Danach bin ich wieder da – für mich und für andere. Vielleicht ist das mein Charakter. Vielleicht auch berufsbedingt.

Wie ich selbst von diesen Treffen profitiere? Ich tanke Energie. Ich liebe es, Menschen zu begegnen und mich auszutauschen. Das war schon immer so.

Was ich mit diesem Text sagen will? Schenkt euch Zeit.
Manchmal kann ein kleines Gespräch mehr bewirken, als wir denken. Vielleicht rettet es sogar jemanden.

Und das fühlt sich richtig schön an. ✨


Montag, 29. Dezember 2025

Dezember_ Inspirationen des Monats und wünsche für 2026!




Ehrlich zu sich selbst sein

Manchmal entstehen aus kleinen Gesprächen – aus nur wenigen ausgetauschten Worten – echte Gedankenwenden. Genau so ein kurzes Gespräch hatte ich vor einiger Zeit mit einem sehr guten Bekannten, den ich sehr schätze. Ein Satz von ihm blieb mir besonders im Kopf: dass er einfach ehrlich sei. Es war bereits das zweite Mal in diesem Jahr, dass mich dieser Gedanke nicht mehr losließ.

Oft sind wir ausgerechnet zu uns selbst nicht ehrlich. Wir neigen dazu, Dinge zu verschönern oder unangenehme Wahrheiten zu verdrängen. Wir werden dazu erzogen, andere nicht zu belügen und offen sowie transparent gegenüber anderen zu sein – aber nicht gegenüber uns selbst. Warum? Vielleicht, weil wir Ängste haben, weil die Wahrheit oft unbequem ist und weil es einfach sehr schwer sein kann, ehrlich zu sich selbst zu sein.

Gerade deshalb ist es mein größter Wunsch für dieses Jahr, mir selbst gegenüber ehrlicher zu werden. Ich versuche es – Schritt für Schritt. Und ich bin dankbar für Menschen, die uns mit wenigen Worten zum Nachdenken bringen.

Mein zweiter Wunsch ist Gesundheit. Für mich und für alle meine Freunde und Bekannten. In diesem Jahr habe ich leider plötzlich zwei Menschen verloren, die mir sehr nahestanden – völlig unerwartet. Obwohl ich das Leben immer geschätzt habe, wurde mir in diesen Momenten noch bewusster, wie wertvoll jede Sekunde und jeder einzelne Moment ist.

Mein dritter Wunsch ist Frieden. Inneren Frieden für uns selbst und Frieden in der Welt. Ich wünsche mir, dass wir uns alle beruhigen können. 

Meine Empfehlungen für Dezember

Film: Das Geheimnis von Velázquez
Auch wenn Sie sich nicht besonders für Kunst interessieren: Gehen Sie ins Kino und lassen Sie sich darauf ein. Das Interesse wird ganz bestimmt geweckt.

Restaurant: Nani in Baden-Baden
Zentral gelegen und sehr gemütlich. Probieren Sie unbedingt das Khachapuri und dazu einen georgischen Wein.

Buch:
In diesem Monat habe ich nur eine Empfehlung: Haruki Murakami – Die Stadt und ihre ungewisse Mauer. Noch ein Beweis dafür, wie sehr ich diesen Autor liebe. Ich habe das Buch einfach nur genossen.

Musik:
Zur Weihnachtszeit unbedingt wieder zu Hause Stück für Stück Tschaikowskis Der Nussknacker hören. Melodien, die wahrscheinlich jeder schon einmal gehört hat – aber ich bin mir nicht sicher, ob alle das ganze Ballett kennen. Einfach jeden Tag ein bisschen davon hören. Ein wunderschönes Gefühl. 

Guten Rutsch und nicht vergessen: ehrlich zu sich selbst sein ;) 


Mittwoch, 17. Dezember 2025

Sofa, Decke, Kerze, Tee.


Genuss, einfach zu Hause zu sein

Sofa, Decke, Kerze, Tee.
Mehr brauch ich manchmal nicht. Diese vier Wörter stehen für mich für puren Genuss. Zwei davon nämlich Kerze und Decke kann man je nach Jahreszeit austauschen. Aber Sofa und Tee bleiben.

Heute darf ich einfach daheim sein. Keine Termine, kein Ausgehen, keine Hektik. Ich freue mich riesig darüber. Es ist einer dieser Tage, an denen nichts an mir zieht, nichts drängt, nichts ruft. Ein bisschen Ruhe, ein bisschen Langsamkeit – und ganz viel Ich-Zeit.

Es gibt Menschen, die das nicht mögen. Die es kaum aushalten, allein in der Wohnung zu sein. Manche werden sogar traurig oder depressiv davon. Ich nicht. Ich genieße diese Ruhe. Diese Gemütlichkeit. Dieses Alleinsein, das sich nicht leer anfühlt, sondern voll.

Ich glaube, das ist typisch für Menschen, die viel mit anderen Menschen arbeiten. Ärzte, Lehrer, Erzieher, Gastronomen. Wer ständig gibt, zuhört, reagiert, organisiert, braucht irgendwann genau das Gegenteil: Stille. Rückzug. Ein Zuhause, das einen auffängt.

Es ist so schön, alles draußen zu lassen. Mal abzuschalten. An wenig zu denken. Oder an gar nichts. Keine Telefonate – das entscheide ich manchmal ganz bewusst. Das Handy liegt dann einfach woanders. Und jedes Mal merke ich: Das tut gut. Wirklich gut.

Sofa, Decke, Kerze, Tee.
Luxus pur.

 


Montag, 8. Dezember 2025

Ein spontaner Abend, der uns alle ein bisschen gerettet hat




Am Samstag kam ich gegen 17 Uhr nach der Arbeit nach Hause. Ich war ziemlich müde – den ganzen Tag hatte ich in einer anderen Stadt Prüfungen abgenommen, und mein Kopf war voll, mein Körper leer.

Gegen halb sieben vibrierte mein Handy. Eine WhatsApp-Nachricht:
„Zhanna, bist du zu Hause? Darf ich heute bei dir übernachten?“

Das war eine gute Freundin von mir, mit der ich zusammen studiert habe und die ich schon seit Jahren kenne. Ich antwortete einfach: „Ja.“

Ich habe nicht nachgefragt, weshalb oder warum. Ich wusste: Wenn sie so etwas schreibt, dann ist es etwas Ernstes und sie braucht das dringend. Und das Wieso und Warum können wir ja bei mir besprechen – wenn sie das will - nur dann. 

Ich habe immer etwas für spontane Besuche zu Hause. Irgendwas kann ich schnell zusammenstellen, und es reicht immer für einen gemütlichen Abend. Also wanderte der Sekt in den Kühlschrank, der Rotwein auf den Tisch, und ein Foto an sie, dass ich schon alles vorbereitet habe. 
Und dann ergab es sich plötzlich, dass eine andere Freundin auch spontan vorbeikommen wollte. So saßen wir drei Frauen gegen 22 Uhr zusammen am Tisch, wie früher, nur älter, ehrlicher und mit mehr Geschichten im Gepäck.

Natürlich ging es ums Leben. Und um das Familienleben – das, was wir alle kennen, aber worüber man selten laut spricht.
Ich habe ein paar blöde Witze gemacht, um die Stimmung zu heben: dass ich bald nur nach Terminvereinbarung alle beleidigten Frauen bei mir aufnehme. Oder bald  ein Retreat für verheiratete Frauen eröffne. Oder dass ich vielleicht doch Glück hatte, nicht geheiratet zu haben.

Es waren leichte Worte für eine schwere Situation. Ich wusste, viel mehr kann ich nicht tun. Zuhören, ein bisschen Abwechslung geben – ja. Aber keine Lösungen. Meine Meinung wäre nur meine, und die wollte ich niemandem aufdrängen.

Am Ende erzählte ich ihr etwas, das mir selbst immer hilft. Etwas, das ich von meiner Mutter habe. Meine Mutter hatte kein leichtes Leben, aber sie sagte immer:
„Wenn es mir schlecht geht, versuche ich, an etwas Positives in der Vergangenheit zu denken.“
Also sagte ich zu ihr: Denk an die schönen Momente, die du und dein Ehemann in all den Jahren hattet. Die gab es – das weiß ich. Und selbst wenn man sich am Ende trennen muss: Wenn wir an die glücklichen  Momente denken, können wir auf die Person nicht wirklich wütend sein.
Das hilft. Wirklich.

Wir waren bis drei Uhr morgens wach. 

Am nächsten Morgen wurden wir dann noch überrascht: Eine weitere Freundin stand plötzlich vor der Tür. Einfach so, ohne Ankündigung – genauso spontan wie alles an diesem Wochenende. Wir haben zusammen gefrühstückt, oder besser gesagt: gebruncht. Es war laut, lebendig, voller Stimmen und Gelächter. Der Tisch war voll mit Essen, und wir waren voll mit Geschichten.
So sah also unser spontaner zweiter Advent aus – ungeplant, warm, ein bisschen chaotisch und einfach schön.

Am Abend schrieb sie mir, sie habe Kopfschmerzen – „Ich darf echt nicht mehr so viel Alkohol trinken“, meinte sie.
Ich musste lächeln und schickte ihr eine Sprachnachricht:
"Wenn du dich heute auf das Positive von gestern konzentrierst, siehst du: Wir hatten einen schönen, spontanen Abend. Du hattest ein bisschen Abstand von deinem Alltag. Und ein paar Stunden Kopfschmerzen? Die gehen vorbei, die kann man aushalten."

Manchmal hilft schon ein anderer Blickwinkel.
Und Freunde sind genau dafür da – um diesen Blickwinkel vielleicht ein bisschen zu verändern. 


Sonntag, 30. November 2025

November_Inspirationen des Monats


 


Der November ist vorbei – und heute ist schon der erste Advent. Die Weihnachtszeit beginnt. Dieser Monat war für mich insgesamt eher ruhig, und trotzdem habe ich ein paar neue, sehr angenehme Entdeckungen gemacht, die mich zum Staunen, Nachdenken und Weiterentwickeln eingeladen haben.

Kino
Ich beginne mit dem Film „Amrum“ von Fatih Akin war ja wirklich überall zu sehen. Eigentlich habe ich selten Lust auf Kriegsfilme – zu düster, zu nah an unserer Realität. Deshalb war ich anfangs eher skeptisch. Wir haben genug schwere Nachrichten um uns herum, und ich wollte mir nicht noch mehr Belastung  holen.
Aber dann habe ich an Akins frühere Filme gedacht, viele davon echte Erfolge. Also hat die Neugier gewonnen – und ich wurde positiv überrascht.

Der Film spielt gegen Ende des Zweiten Weltkriegs und erzählt nicht die typische Geschichte von Fronten und Heldentaten. Stattdessen zeigt er das Überleben im Krieg, den Alltag, den Kampf ums Durchhalten – und die Beziehung zwischen Mutter und Sohn, voller Zärtlichkeit, Enttäuschungen und leiser Hoffnung.
Besonders beeindruckt haben mich die Naturaufnahmen der Insel Amrum. Inmitten der Härte des Krieges wirken sie wie kleine Atempausen, fast wie ein eigenes, stilles Gegenuniversum. Und wie so oft zeigt sich: Die einfachen Menschen sind es, die am meisten unter dem Krieg leiden – Menschen, die die politischen Strukturen oft gar nicht unterstützen, aber trotzdem die Konsequenzen tragen müssen.
An manchen Stellen war der Film so bewegend, dass mir tatsächlich die Tränen kamen.

Bücher 
Während überall neue KI-Bücher erscheinen, merke ich, wie sehr ich mich wieder zu älteren Werken großer Autoren hingezogen fühle. Diesen Monat habe ich sehr viel über italienischen Lyriker  und Drehbuchautor Tonino Guerra gelesen. Und auch sein Buch Scheuer Vogel Traum  – ein stilles, poetisches Buch, das mich sehr berührt hat.

Essen
Ein kulinarisches Highlight war das 5 Sen:ses by Mario Aliberti in Karlsruhe. Moderne Interpretationen der klassischen italienischen Küche – wirklich köstlich! Es macht einfach Freude, an einem Ort zu essen, an dem man spürt, wie viel Hingabe in jedem Gericht steckt.

Unterwegs
Gereist bin ich diesen Monat nicht viel, dafür war ich viel wandern. Und dabei habe ich Calw und seine wunderschönen Wanderwege entdeckt. Besonders begeistert hat mich eine dreistündige Tour entlang der Nagold ins Monbachtal. Die Natur dort ist beeindruckend – richtige Panorama-Momente, die man am liebsten mitnehmen würde.

Zum Schluss möchte ich erwähnen, dass ich natürlich viel mehr lese, viel mehr Filme schaue – und auch öfter in verschiedenen Restaurants esse. Aber ich schreibe hier wirklich nur über jene Erlebnisse, die mich inspiriert haben oder einen außergewöhnlichen Eindruck bei mir hinterlassen haben.

Der Sinn dahinter ist für mich ganz einfach: In der täglichen Routine immer wieder etwas Neues und Spannendes zu entdecken. Diese kleinen Momente machen unseren Alltag lebendiger, interessanter und manchmal sogar unvergesslich.

Einen schönen Dezember und bis bald. :)

Mittwoch, 22. Oktober 2025

Letzte Woche in Paris

 

Paris, Oktober 2025

                                                               

Habe ich eigentlich schon erzählt, dass Paris meine allererste Auslandsreise war? Ich war 17.
Diese Reise haben mir meine Eltern geschenkt. Ob ich damals schon von Paris geträumt habe? Eher nicht. Ich glaube, das war eher ein Traum meiner Mutter – und wie es oft so ist, wollen Eltern manchmal, dass ihre Kinder ihre eigenen Träume erleben. Und ich durfte ihn erleben.

Paris – meine erste Begegnung mit Europa.
Paris – meine erste Auslandreise.
Paris – meine ersten selbst gekauften Sachen: ein Mantel, Schuhe, eine Bluse – und natürlich viele Lippenstifte.
Paris – mein erstes Mal -1 Grad. Ich habe geheult, weil ich bis dahin noch nie Minustemperaturen erlebt hatte.
Paris – meine erste echte Kommunikation auf Deutsch: in einer Buchhandlung, mit einem jungen Mann, der Deutsch sprach und mir den Weg zurück zum Hotel erklärt hat.
Paris – das Erwachen eines Wunschs nach Reisen und nach Freiheit.

Seitdem habe ich eine besondere Beziehung zu dieser Stadt. Wenn ich alleine dort bin, versuche ich immer, Orte zu besuchen, die ich noch nicht kenne. Paris gibt mir das Gefühl, gleichzeitig zuhause und unterwegs zu sein.

Dieses Mal war ich mit meiner Tante dort – es war ihr allererster Besuch in Paris. Also habe ich eine Mischung aus klassischem Touri-Programm und ein paar Dingen zusammengestellt, die mich selbst interessierten.

Wir hatten Glück mit dem Wetter – und wir haben die Zeit wirklich genossen. Das Schönste: Wir haben auch meinen Geburtstag dort gefeiert. Mein Cousin hat uns mit Tickets für ein Theaterstück überrascht – eine sehr schöne und angenehme Geste, über die ich mich riesig gefreut habe.

Zwei neue Orte, die ich besonders mochte. Beide liegen an den Champs-Élysées – und beide kann ich nur empfehlen:

  • Restaurant Moon – stilvoll, modern, gutes Essen, tolle Atmosphäre
  • Die Neueröffnung von RH –  eine Luxusatmosphäre, definitiv einen Besuch wert. Das Interior und das Rooftop Restaurant. Alles ist einfach wunderschön gemacht.
 Und wie man so schön sagt:

„Paris ist nicht nur eine Stadt – Paris ist ein Gefühl.“

Und genau so war es auch dieses Mal wieder für mich. Ein Gefühl von Freude und Leichtigkeit. Es war einfach unvergesslich.

Donnerstag, 2. Oktober 2025

September_Inspirationen des Monats

 Das Buch:

Diesen Monat habe ich High On Life von David JP Phillips gelesen. Eigentlich hatte ich nicht geplant, ein psychologisches Buch zu lesen – vor allem nicht aus dem Bereich der populären Psychologie, der mich in letzter Zeit eher weniger begeistert. Viele Neuerscheinungen wirken auf mich oberflächlich oder zu sehr „pseudo-politisch“.
Aber ab und zu greife ich dann doch zu einem Buch aus diesem Bereich, einfach weil es für meine Arbeit wichtig ist – und weil ich verstehen möchte, wie sich das Feld weiterentwickelt.
High On Life hat mich positiv überrascht. Es ist klar, praxisnah und motivierend geschrieben – und obwohl ich kritisch an die Lektüre herangegangen bin, konnte ich einiges für mich mitnehmen. Definitiv eine Empfehlung.

Ein weiteres Buch, das mir diesen Monat besonders aufgefallen ist, heißt Die Verkrempelung der Welt von Gabriel Yoran. Es ist eine unterhaltsame und gleichzeitig kritische Auseinandersetzung mit unserem modernen Alltag – speziell mit Dingen, die eigentlich Innovationen sein sollten, sich aber oft als Rückschritt entpuppen. Das Buch ist klug, witzig und zugleich sehr kritisch und reflektiert – eine gute Mischung, die nicht belehrend wirkt, sondern zum Mitdenken einlädt. Sehr lesenswert!

Das Restaurant:

Eine echte Entdeckung war das Restaurant Leca in Baden-Baden. Ich wurde dort von meiner besten Freundin zu ihrem Geburtstag eingeladen – in bester Gesellschaft, mit viel Lachen und einer richtig schönen Atmosphäre.
Das Essen war hervorragend: professionell zubereitet, lecker und mit viel Liebe zum Detail angerichtet. Die Küche ist international, mit vielen Gerichten, die an das eigene Zuhause erinnern – egal, wo man herkommt. Ein echter Geheimtipp für alle, die gutes Essen mit besonderen Erinnerungen verbinden wollen.

Der Film:
Ins Kino habe ich es diesen Monat leider nicht geschafft – dafür habe ich auf YouTube einige alte Filme wiederentdeckt, die ich früher schon einmal gesehen hatte.

Ich habe die wunderbare Claudia Cardinale wieder für mich entdeckt – was für eine Ausstrahlung! 

Es ist faszinierend, wie sich der Eindruck verändert, wenn man älter wird. Als ich zum Beispiel Der Leopard (Il Gattopardo) von Luchino Visconti das erste Mal gesehen habe, fand ich ihn ehrlich gesagt ziemlich langweilig. Doch beim erneuten Ansehen hat sich mir ein ganz neues Bild eröffnet: Die Ästhetik, die Tiefe, die ruhige Erzählweise – alles wirkt heute viel eindrucksvoller.

Und natürlich durfte ein Klassiker nicht fehlen: von Federico Fellini – ein filmisches Meisterwerk voller Symbolik, Träume und kreativer Selbstreflexion.

Natur: 

Ich bin ein absoluter Morgenmensch. Früh am Tag habe ich die meiste Energie und nutze diese Zeit gerne für mich. Besonders liebe ich es, am frühen Morgen spazieren zu gehen – wenn die Stadt noch still ist und die Luft frisch.
In diesem Monat habe ich bei meinen morgendlichen Spaziergängen am Wochenende den Spessart entdeckt – eine wunderschöne, ruhige Gegend mit sanften Hügeln, dichten Wäldern und geheimnisvollen Pfaden. Die Natur dort hat etwas Beruhigendes und Inspirierendes zugleich.

Und wenn wir schon bei Natur und Bewegung sind – meine persönliche Wanderempfehlung für diesen Monat: das Bühler Tal. Eine traumhafte Region mit abwechslungsreichen Wegen, tollen Aussichtspunkten und einer beeindruckenden Landschaft, die zu jeder Jahreszeit ihren eigenen Zauber entfaltet. Wer gerne wandert und gleichzeitig zur Ruhe kommen möchte, sollte sich das nicht entgehen lassen.

Das war’s von mir für diesen Monat. Ich bin gespannt, was der Oktober bringt. Ich liebe den Oktober so sehr!

Bis bald – bleibt inspiriert und neugierig!


Was ich in diesem August nicht gemacht habe

Dieser August war anders. Nicht, weil besonders viel passiert ist, sondern gerade weil ich vieles nicht gemacht habe. Ich bin diesen Monat n...