Freitag, 7. August 2026

Das bittere Fest – der 25. Film von Pedro Almodóvar


Es gibt berühmte Regisseure, und es gibt Namen, die in der Kinowelt ihre Spuren hinterlassen und für die Ewigkeit bleiben. Pedro Almodóvar gehört ohne Zweifel zu diesen renommierten Regisseuren.

Er steht für mich in einer Reihe mit Größen wie Buñuel, Fellini, Pasolini, Antonioni … Seine Werke will man sehen, muss man sehen. Man empfiehlt sie weiter, weil sie etwas Besonderes sind.

Das bittere Fest – der 25. Film des Maestros. Und ja, ich habe alle 25 gesehen. Einige davon nicht nur einmal.

Ich kann mich noch gut an meine ersten Wahrnehmungen und Gefühle während seiner Filme erinnern. Dieses Gefühl, dass man vielleicht nicht alles sofort versteht, was da gerade passiert – und trotzdem völlig gefesselt ist und bis zum Ende weiterschauen will. Genau das ist diese Magie, die für mich wahre Kinokunst ausmacht.

Mein erster Almodóvar-Film war Matador. Dort habe ich für mich Antonio Banderas entdeckt – lange bevor er nach Hollywood ging. Damals war das tatsächlich mein kleiner "Crash". Danach kamen Labyrinth der Leidenschaften, Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs, Fessle mich!,  und viele andere.

Leidenschaftlich, provokativ und rebellisch – so wirkten diese Filme auf mich.

Und die Wahl des ersten Films war damals völlig spontan. Die Filme gab es auf Videokassetten, meistens in sehr schlechter Qualität. Man hörte oft noch den Originalton im Hintergrund, während eine einzige monotone Stimme einfach alle Rollen gleichzeitig synchronisierte. Ich habe die meisten Filme nachts gesehen, weil ich sie mir tagsüber schlicht nicht leisten konnte. (Und aus diesem Absatz kann man mein Alter ungefähr erahnen. 😄)

Erst später habe ich ganz bewusst nach seinen Filmen gesucht, sie auch im Kino gesehen – mit deutscher Synchronisation. Das waren natürlich ganz andere Erlebnisse.

Aber zurück zum 25. Film.

Ich wage gar nicht zu sagen, ob der Film gelungen ist oder nicht. Aber sehen muss man ihn auf jeden Fall. Wir lesen schließlich auch die neuen Bücher unserer Lieblingsautoren, einfach um uns selbst eine Meinung zu bilden.

Farben: sehr bunt, sehr hell, manchmal schrill, aber immer lebendig.

Stil: Kleidung, Räume, Ausstattung, Dekorationen, Villen – alles zum Genießen. Alles unverkennbar Almodóvar. Stilvoll bis ins kleinste Detail.

Musik: Wie immer wunderschön. Sie gehört zu Almodóvars Filmen einfach dazu und macht einen großen Teil ihrer Atmosphäre aus. Sie begleitet die Figuren, verstärkt die Emotionen und erzählt manchmal sogar das, was unausgesprochen bleibt. 

Spanien. Lanzarote. Man möchte sofort dorthin.

Die Figuren: Menschen, die sich selbst suchen, die leiden, lieben, scheitern und wieder aufstehen – wie so oft bei Almodóvar.

Die Mehrschichtigkeit: Wie immer steckt hinter der eigentlichen Geschichte noch so viel mehr.

Und natürlich stellt sich die Frage: Wie autobiografisch ist dieser Film? Hat der Maestro vielleicht auch über seine eigenen Krisen geschrieben? Über die Abhängigkeit eines Künstlers von seiner Arbeit? Denn ohne das Erschaffen wird man irgendwann leer, vielleicht sogar depressiv. Man will gestalten, erzählen, etwas hinterlassen. Und natürlich schöpft jeder Künstler aus seinen eigenen Erfahrungen. Vielleicht versucht man durch seine Werke auch, die eigenen Probleme zu verarbeiten. Die Antwort bleibt offen. 

Was ich bei mir selbst gemerkt habe: Ich bin diesen Filmen aufgewachsen.  Je älter ich geworden bin, desto ruhiger ist auch meine Wahrnehmung dieser Filme geworden. Früher haben sie mich emotional überwältigt, heute analysiere ich mehr. Ich genieße das Storytelling, die Gesten, die Farben, die Stille zwischen den Dialogen.

Für mich ist Das bittere Fest ein schöner Film. Vielleicht nicht der stärkste von Almodóvar. Aber wieder ein neuer Film eines Regisseurs, dessen Werke ich niemals verpassen möchte.

Danke, MAESTRO.

Donnerstag, 30. Juli 2026

Inspirationen des Monats – Juli

 



Der Juli war sehr heiß und ein Monat voller kleiner Entdeckungen – im Kino, beim Lesen, auf Reisen und natürlich auch kulinarisch. Hier sind meine persönlichen Highlights.

Kino

Diesen Monat habe ich zwei sehr unterschiedliche Filme gesehen.

„Vivaldi und ich“ ist eine italienisch-französische Koproduktion mit der italienischen Sängerin und Schauspielerin Tecla Insolia in der Hauptrolle sowie Michele Riondino als Antonio Vivaldi. Vor der wunderschönen historischen Kulisse erzählt der Film vom Waisenhaus für Mädchen in Venedig, in dem Antonio Vivaldi arbeitete und einige seiner bekanntesten Werke entstanden. Neben der großartigen klassischen Musik, die den Film begleitet, steht die tragische Geschichte eines Mädchens im Mittelpunkt, das im Waisenhaus aufwächst. Es ist eine Geschichte über den Wunsch nach Freiheit – und darüber, dass dieser Kampf oft ein tragisches Ende nimmt. Besonders bewegt hat mich der Gedanke, dass Frauen auch heute noch in vielen Ländern nicht als gleichberechtigte Menschen, sondern eher als Besitz oder Gegenstand betrachtet und entsprechend schlecht behandelt werden. Gerade deshalb wirkt die Geschichte erschreckend aktuell.

Ganz anders war es bei „The Piano Tuner“. Ich bin eigentlich nur wegen Dustin Hoffman ins Kino gegangen, doch von ihm sieht man leider nur sehr wenig. Die Handlung war für meinen Geschmack zu vorhersehbar und wirkte stellenweise etwas oberflächlich. Wer jedoch klassische amerikanische Thriller mag und außerdem den charismatischen Hauptdarsteller Leo Woodall sehen möchte, für den lohnt sich der Film durchaus.

Trotzdem hat der Film etwas Positives bei mir ausgelöst: Er hat meinen alten Wunsch geweckt, wieder Klavier zu spielen. Nach meiner Zeit an der Musikschule war ich viel zu perfektionistisch. Ich mochte nicht, wie ich spielte, und anstatt weiter zu üben, habe ich ganz aufgehört. Vielleicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt, diesem Wunsch noch einmal eine Chance zu geben.

Lesen

Den Tipp zu „Witches, Bitches, It-Girls – Wie patriarchale Mythen uns bis heute prägen“ von Rebekka Endler habe ich von einer meiner Studentinnen bekommen – und ich hätte nicht erwartet, dass mich das Buch so positiv überrascht

Da ich selbst aus einer sehr patriarchalisch geprägten Kultur komme und viele dieser Denkmuster aus eigener Erfahrung kenne, spricht mich das Thema besonders an. Was mir außerdem gefällt: Das Buch macht neugierig auf weitere historische Recherchen. Es regt dazu an, mehr über Frauen zu erfahren, die in der Geschichte oft übersehen oder vergessen wurden. Ich hoffe, dass besonders junge Menschen dadurch inspiriert werden, sich intensiver mit diesen Geschichten zu beschäftigen.

 Reisen

Im Juli war ich wieder in Freiburg – eine meiner absoluten Lieblingsstädte. Diesmal habe ich drei Tage dort verbracht. Ich genieße es jedes Mal, durch die Altstadt zu schlendern, eine Wurst vor dem Münster zu essen und Studienfreunde zu treffen. Freiburg fühlt sich für mich immer ein bisschen wie nach Hause kommen an. Über diese Stadt werde ich sicherlich noch einen eigenen Beitrag schreiben.

Außerdem habe ich einen neuen Lieblingsort entdeckt: BlauSinn in Albsheim in der Pfalz. Auf Instagram hatte ich schon viele Fotos gesehen und wollte den Ort unbedingt einmal besuchen. Die wunderschöne Landschaft mit den weitläufigen Feldern erinnert fast ein wenig an die Provence. Vor Ort gibt es außerdem viele kleine, liebevoll ausgewählte Produkte zu kaufen. Ein perfektes Ziel für einen entspannten Sommerausflug.

 Gastronomie

Ein kulinarisches Highlight war Zum Stahl in Freiburg. Das Restaurant überzeugt mit authentischer Küche, einer schönen Atmosphäre und fairen Preisen. Eine klare Empfehlung, wenn ihr Freiburg besucht.

Auch Da Michele in Baden-Baden hat mir sehr gut gefallen. Ein kleines, aber feines italienisches Restaurant mit unkomplizierter, ehrlicher Küche. Jeden Tag eine neue Tageskarte mit leckeren Gerichten. Als wir dort waren, saß sogar der neue Oberbürgermeister von Baden-Baden im Restaurant. Da dachte ich sofort: Wenn er hier isst, kann es so schlecht nicht sein. Tatsächlich hat mich das Restaurant überzeugt – gutes, einfaches italienisches Essen, bei dem die Qualität im Mittelpunkt steht.

Das war es für Juli.  Ich freue mich auf Inspirationen vom kommenden August!

Dienstag, 30. Juni 2026

Juni_Inspirationen des Monats

 



Der Juni war sehr  heiß.  Er begann mit einer Hitzewelle, die uns Temperaturen von bis zu 38 Grad bescherte. Da ging es vor allem darum, irgendwo Abkühlung oder zumindest etwas Ablenkung zu finden 

Buch: Carlo Levi – Die doppelte Nacht: eine Deutschlandreise im Jahr 1958

Ein Buch, das mich mit seiner besonderen Atmosphäre und seinen Figuren lange beschäftigt hat. Carlo Levi erzählt ruhig, aber eindringlich und schafft eine Stimmung, die nachwirkt. Kein Buch für zwischendurch, sondern eines, das man mit Ruhe genießen sollte. Solche Bücher sind ein Muss, um Kultur und Geschichte besser zu verstehen, Parallelen zu ziehen und Zusammenhänge zu analysieren. Besonders schön ist dabei die Sprache.

Reise: Dijon

Ich war zum ersten Mal in Dijon – und ehrlich gesagt hatte ich keine großen Erwartungen. Umso positiver wurde ich überrascht. Die historische Altstadt ist wunderschön, die Atmosphäre entspannt und gleichzeitig lebendig. Dijon ist für mich viel mehr als nur die Stadt des Senfs und definitiv ein Reiseziel, das ich gerne wieder besuchen würde.

Gastronomie: Chapeau Rouge

Während meines Aufenthalts war ich im Chapeau Rouge essen – und es war einfach hervorragend. Kreative Küche, ausgezeichnete Zutaten und ein Service, der den Abend perfekt gemacht hat. Ein Restaurant, das ich jedem empfehlen kann, der Dijon besucht.

Musik: Jazz

Im Juni habe ich außerdem einige großartige Jazzkonzerte erlebt. Live-Jazz hat einfach eine besondere Energie.

Ein besonderer Tipp bleibt die Hemingway Lounge in Karlsruhe. Dort wird regelmäßig Live-Musik gespielt, und jeder Abend hat seinen eigenen Charakter. Für mich gehört sie inzwischen zu den schönsten Orten der Karlsruher Kulturszene.

Kunst:  Ausstellung in Baden Baden 

Ein weiteres Highlight war mein Besuch im Museum Frieder Burda in Baden-Baden. Die aktuelle Ausstellung „Wettstreit mit der Wirklichkeit – 60 Jahre Fotorealismus“ hat mich sehr beeindruckt. Zu sehen sind Gemälde, die auf den ersten Blick wie Fotografien wirken. Die Ausstellung ist noch bis 2. August 2026 zu sehen und lohnt sich auf jeden Fall.

 

Wandern: Weingarten und Umgebung

Als die Temperaturen endlich wieder angenehmer wurden, zog es mich nach draußen. Besonders gefallen haben mir die Wanderungen rund um Weingarten. Die Wege durch Wald und Weinberge sind abwechslungsreich und bieten immer wieder schöne Ausblicke. 

Der erste Sommermonat ist vorbei, und ich bin gespannt, was der Juli bereithält. Bis bald!

Montag, 22. Juni 2026

Jobs, die ich während meines Studiums in Deutschland gemacht habe


Wenn man in ein neues Land kommt, führt der Weg zum Traumberuf meistens nicht direkt ans Ziel. Natürlich gibt es viele verschiedene Wege, und wahrscheinlich hätte ich manches auch abkürzen können. Ein Anruf nach Hause hätte gereicht, und finanzielle Unterstützung wäre da gewesen. Aber ich bin wegen meiner Freiheit nach Deutschland gekommen. Ich wollte mir selbst – und wahrscheinlich der ganzen Welt – beweisen, dass ich alleine etwas erreichen kann.

Besonders reizvoll fand ich die Freiheit, mich unabhängig bewegen und Entscheidungen treffen zu können, ohne jemanden um Erlaubnis fragen zu müssen.

Bereits in meiner zweiten Woche in Deutschland habe ich angefangen zu arbeiten. Während des gesamten Studiums haben wir nebenbei gearbeitet. Unser Vorteil? Wir waren jung, hatten viel Ausdauer und wussten bei jeder Tätigkeit, dass sie irgendwann wieder vorbei sein würde.

Ich werde nicht alle Jobs aufzählen, sondern nur einige, an die ich mich besonders gut erinnere.

1. Straßenfeste

Das war überhaupt mein erster Job. Ich wurde als Getränkeverkäuferin eingestellt. Da ich aber den Dialekt überhaupt nicht verstand und die Realien des , konnte ich viele der Getränke, die ich verkaufen sollte, nicht einmal benennen. Nach etwa einer Stunde stand ich deshalb schon in der Küche und spülte Geschirr.

2. Gastronomie

Wie viele Studierende habe auch ich in der Gastronomie gearbeitet. Allerdings wollte und konnte ich nie als Bedienung arbeiten. Ich war nicht freundlich genug für diesen Job, und Kopfrechnen gehörte noch nie zu meinen Stärken. Deshalb habe ich fast immer in der Küche oder hinter der Bar ausgeholfen.

An kuriose Situationen erinnere ich mich bis heute. Zum ersten Mal in meinem Leben wurde ich angeschrien. Zunächst verstand ich nicht einmal, dass ich gemeint war. Mein Chef regte sich darüber auf, dass ich zu viel Sahne auf die Teller verteilt hatte. Als ich schließlich begriff, dass er mit mir sprach, bin ich einfach gegangen.

Ein anderes Mal wurde ich schlechter bezahlt als vereinbart. Ich habe mich zwar mit dem Arbeitgeber gestritten, zu Hause aber trotzdem geweint.

3. Versandhaus

Dort haben wir Kleidung sortiert, im Lager gearbeitet und Bestellungen vorbereitet.

Einmal habe ich verschlafen. Da ich sehr pflichtbewusst war und mir keine andere Lösung einfiel, bin ich mit dem Taxi zur Arbeit gefahren. Ich kam pünktlich an, aber ich glaube, selbst die Chefs des Versandhauses fuhren nur selten mit dem Taxi zur Arbeit. Entsprechend erstaunt wurde ich angeschaut.

4. Deutsche Post

Bei der Deutschen Post habe ich Nachtschichten gearbeitet. Um acht Uhr morgens saß ich entweder bereits in einer Vorlesung oder begann meinen zweiten Job.

Wir sortierten Briefe, bedienten riesige Maschinen und ordneten die Sendungen nach Postleitzahlen. Gegen fünf Uhr morgens durfte man sich hinsetzen und die Briefe manuell sortieren.

Vor Müdigkeit haben wir entweder gelacht oder sind direkt am Arbeitsplatz eingeschlafen.

5. Nachbarschaftshilfe

Diese Tätigkeit habe ich nur für eine begrenzte Zeit ausgeübt, meist an Wochenenden.

Vor oder nach der Pflege bereitete ich den Menschen Frühstück zu, unterhielt mich mit ihnen und half bei kleinen Alltagsaufgaben. Vor jedem Einsatz wusste ich nie, zu wem ich geschickt werden würde. Die Arbeit erforderte enorme Flexibilität, Ausdauer und Freundlichkeit.

Eine ältere Dame mochte mich besonders gern und bat immer wieder darum, dass ich zu ihr komme. Sie war klein, sehr dünn, hochintelligent und vom Leben gezeichnet.

Ich bereitete ihr das Frühstück zu, und anschließend saßen wir oft draußen in ihrem großen Garten und unterhielten uns über Kunst. An diese Gespräche erinnere ich mich bis heute.

6. Nachhilfeunterricht

Ich habe Schülerinnen und Schüler in verschiedenen Fächern unterstützt. Dabei habe ich gelernt, dass Geduld oft wichtiger ist als Fachwissen. Es war schön zu sehen, wie Kinder Fortschritte machten und mehr Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten entwickelten.

7. Putzen

Auch als Reinigungskraft habe ich gearbeitet.

Das Besondere war, dass ich in vielen Wohnungen eines Wohngebiets tätig war. Manchmal arbeitete ich sogar bei Nachbarn, ohne dass diese voneinander wussten. Viele dieser Menschen sind inzwischen verstorben, mit einigen wenigen bin ich bis heute in Kontakt.

Besonders gut erinnere ich mich an eine Frau, die unglaublich elegant und kultiviert war. Ich war alle zwei Wochen etwa fünf Stunden bei ihr. Sie deckte mir immer den Tisch, backte Kuchen, und wir verbrachten oft fast eine Stunde damit, uns zu unterhalten.

Als ich mein Studium beendet hatte, beendete ich auch all diese Tätigkeiten und begann, mich beruflich weiterzuentwickeln.

Heute denke ich manchmal, dass man sich diesen Weg vielleicht hätte leichter machen können. Damals schien er mir jedoch der einzige Weg zu sein, unabhängig zu sein.

Ich war immer flexibel, habe Menschen respektiert und wollte ständig etwas Neues lernen und erleben.

Rückblickend war es eine anstrengende, aber auch unglaublich interessante Zeit. :)


Freitag, 19. Juni 2026

Vier Tage in Dijon (Frankreich im Sommer 2026)


Ich habe mir vorgenommen, diesen Sommer Frankreich etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Irgendwie kenne ich das Land noch nicht so gut, obwohl es direkt vor der Haustür liegt. Also habe ich spontan vier Tage in Dijon verbracht – ohne großen Plan, ohne feste Liste von Sehenswürdigkeiten, einfach mit Neugier und Appetit.

Das Wetter in Dijon war angenehm, warm, aber nicht zu heiß. Ich bin unter der Woche gereist und war damit mitten im normalen Leben der Stadt. Genau das mag ich: nicht nur die touristische Kulisse zu sehen, sondern den Alltag zu spüren. Morgens die Menschen auf dem Weg zur Arbeit, die belebten Plätze zur Mittagszeit und die entspannte Stimmung am Abend.

Ich war ehrlich gesagt sehr positiv überrascht. Dijon hat eine angenehme Größe, wirkt lebendig und gleichzeitig entspannt. Da ich keinen ausgearbeiteten Plan hatte, bin ich einfach losgezogen – wie ein hungriger Tourist, der sich treiben lässt. Mal durch kleine Gassen, mal über Märkte, mal auf der Suche nach dem nächsten Café.

Und natürlich gehört für mich zu jeder Reise mindestens ein Besuch in einer Pâtisserie. In Dijon war das keine Ausnahme. Der Duft von frischem Gebäck, knusprigen Croissants und feinen Törtchen gehört für mich einfach zu Frankreich. Sich morgens ein Gebäck zu holen und dazu einen Tee zu trinken, ist oft schon ein kleines Reisehighlight.

Kulinarisch durfte natürlich auch die traditionelle burgundische Küche nicht fehlen. Wer nach Dijon reist, kommt an den Klassikern der Region kaum vorbei. Kräftige Schmorgerichte, regionale Spezialitäten und natürlich der berühmte Senf gehören einfach dazu. Für mich war das ein Muss – und einer der Gründe, warum ich Frankreich künftig noch intensiver entdecken möchte.

Vier Tage sind nicht viel, aber genug, um Lust auf mehr zu bekommen. Dijon war für mich ein gelungener Einstieg in meinen Frankreich-Sommer 2026. Und wenn die nächsten Ziele ähnlich positiv überraschen, dann wird das ein sehr genussvoller Sommer.

Sonntag, 31. Mai 2026

Mai_ Insipirationen des Monats


Der Mai war bei mir irgendwie politisch geprägt. Nicht, weil ich gezielt Nachrichten verfolge – das tue ich eher selten –, sondern weil sich die Themen in den Büchern, Filmen und Gesprächen, die mich diesen Monat begleitet haben, immer wieder um Macht, Gesellschaft und Veränderung drehten.

Hier sind einige Inspirationen und Entdeckungen des Monats:

Film

"La Grazia" von Paolo Sorrentino

Gesehen im Original mit deutschen Untertiteln. Der Film zeigt auf sehr menschliche Weise, wie belastend Verantwortung und Macht sein können. Im Mittelpunkt steht ein erfahrener Politiker, der von seiner Rolle müde geworden ist. Muss aber  seine letzte politische Entscheidungen treffen. Ein ruhiger, nachdenklicher Film, der viele Fragen offenlässt und gerade deshalb lange nachwirkt.

Empfehlung: Für alle, die politische Geschichten mögen, die weniger von Politik als von Menschen erzählen.

Buch

"Die Stunde der Raubtiere" von Giuliano da Empoli

Ein kluges und provozierendes Buch über Macht und die politischen Entwicklungen unserer Zeit. Nicht allen Gedanken würde ich zustimmen, aber genau das macht die Lektüre spannend.

Empfehlung: Ein lesenswertes Buch für alle, die aktuelle politische Entwicklungen besser verstehen möchten. Die vielen Verweise auf historische Persönlichkeiten und Ereignisse regen dazu an, selbst weiter zu recherchieren und Zusammenhänge neu zu betrachten.

Wanderungen

Armenien

Ich war eine Woche in Armenien unterwegs. Das Land befindet sich in einer Zeit großer politischer Veränderungen, die man besonders in Jerewan spürt. Mich zog es allerdings vor allem in die Natur.

Die armenischen Landschaften haben für mich etwas sehr Spirituelles. Besonders schön waren die Täler und die Wiesen voller Mohnblüten – wie in meiner Kindheit. Das weckte viele nostalgische Gefühle. Der Besuch des Tatev-Kloster war ein weiterer Höhepunkt der Reise.

Mosel

Endlich habe ich die Mosel besucht. Weinberge, Flussschleifen und kleine Dörfer machen die Region zu einem wunderbaren Ziel für Wanderungen und kurze Auszeiten.

Empfehlung: Für alle, die Natur, Weinlandschaften und Ruhe suchen.

Kulinarisches

Basho-An in Freiburg

Authentische japanische Küche, sehr frisch und hochwertig. Eine klare Empfehlung für alle, die japanisches Essen mögen.

Tosca do Jose in Karlsruhe

Besonders der Oktopus-Salat hat mir sehr gut gefallen. Dazu gibt es viele leckere Gerichte zum Teilen.

Yasaman am Sewansee

Direkt am See gelegen, mit wunderschönem Ausblick und ausgezeichnetem regionalem Fisch.

Empfehlung: Der perfekte Ort für eine entspannte Mittagspause nach einem Ausflug an den Sewansee.

Das war es für diesen Monat. Ich freue mich auf den Juni und auf den Sommer 2026! 


Freitag, 1. Mai 2026

Der 1. Mai

Der erste Mai ist ein besonderer Tag in unserer Familie. An diesem Tag wird gefeiert: Mein Vater hat Geburtstag, und das bedeutet meistens, dass das Haus voller Menschen ist. Freunde, Familie, Nachbarn – bei uns war immer etwas los. Zum Glück war es auch dieses Jahr wieder so.

Mein Vater ist ein besonderer Mensch. Nicht, weil er berühmt wäre, sondern weil er zu den Menschen gehört, die von anderen aufrichtig geliebt werden.

Er stammt aus einem kleinen Dorf. Meine Großeltern bauten Gemüse an. Das Leben war einfach, geprägt von harter Arbeit und traditionellen Werten. Mein Vater wollte jedoch immer mehr sehen, mehr erleben. Er träumte von einem anderen Leben, von einer größeren Stadt und neuen Möglichkeiten. Er verließ sehr früh seine Heimat, heiratete und zog eine eine schöne Stadt im Süden um. 

Meine Eltern waren jung, als sie heirateten. Es war ein klassischer Lebensweg unserer Kultur: Der Mann arbeitete, die Frau blieb zu Hause. Meine Mutter war Hausfrau – nicht unbedingt, weil sie es selbst unbedingt wollte, sondern weil es damals bei uns nicht üblich war, dass Frauen arbeiten gingen. Das war kulturell geprägt und für viele Familien selbstverständlich.

Mein Vater war und immer noch  voller Lebensfreude. Er hat diese besondere Fähigkeit, das Leben zu genießen und selbst kleine Dinge groß wirken zu lassen. Er träumt nicht nur, er versucht auch, seine Träume wahr werden zu lassen. Ständig hatte er neue Ideen: Autos, die er umbaute, große Fußballspiele mit Freunden im Stadion, spontane Reisen oder riesige Partys. 

Ich erinnere mich auch an unser erstes Auto. Nichts Besonderes, klein und unscheinbar. Aber als mein Vater damit nach Hause kam, war er so stolz und glücklich, dass diese Freude sofort auf uns überging. Wir durften mitfahren, jubelten auf den Rücksitzen und waren überzeugt, im schnellsten Auto der Welt zu sitzen. Wir schrien: „Papa, schneller!“ – und er lachte nur und gab noch mehr Gas. In solchen Momenten war er selbst wie ein Kind.

Mein Vater beherrscht die Kunst, Kontakte zu knüpfen und Menschen miteinander zu verbinden. Dadurch waren wir überall eingeladen. Ich hatte das Glück, die meisten Veranstaltungen mit einer Einladung besuchen zu dürfen 

Selbst in schweren Zeiten organisierte er große Feiern und brachte die unterschiedlichsten Menschen an einen Tisch zusammen. Bei uns saßen einfache Nachbarn neben angesehenen Beamten oder bekannten Persönlichkeiten der Stadt. Alle lachten zusammen, alle fühlten sich willkommen. Mein Vater hat diese seltene Gabe, Menschen das Gefühl zu geben, dazuzugehören.

Später, als es ihm finanziell besser ging, half er vielen Menschen. Oft wussten wir als Familie gar nichts davon, weil er nie damit prahlte. Erst Jahre später erfuhren wir davon. Irgendwo begegnete uns jemand und fragte plötzlich: „Bist du die Tochter von …? Dein Vater hat uns damals geholfen.“ So erfuhren wir nach und nach, dass er Familien unterstützte, Schulen mitfinanzierte oder sogar Krankenhäusern geholfen hat.

Von meinem Vater habe ich und meine Schwester viele Werte gelernt: Freundschaft, Bodenständigkeit, Respekt vor anderen Menschen und die Fähigkeit, das Leben nicht zu ernst zu nehmen. Er vermittelt diese besondere Einfachheit, ohne dabei selbst einfach zu sein. Gleichzeitig zeigt er uns, dass nichts für immer bleibt und man dankbar für die kleinen Momente im Leben sein sollte.

Er ist ein sehr traditioneller Mann. Ein Mensch mit konservativen Vorstellungen, in denen Männer oft die dominante Rolle einnehmen. Und ich bin diejenige, die genau das immer wieder hinterfragte und dagegen "still" rebellierte. Obwohl ich meinen Vater sehr liebe, ging vor vielen Jahre ich meinen eigenen Weg.

Mein Vater war immer eine Art Sicherheit für uns. Vielleicht nicht immer körperlich präsent, aber emotional war er immer da. Man hat das Gefühl: Solange mein Vater da ist, wird irgendwie alles gut. 

Mein Vater hat auch viel Humor. Wir lachen viel, wenn wir zusammen sind. 

Ich erinnere mich an einen Moment auf dem Markt. Wir waren noch klein. Meine Mutter läuft ein Stück vor uns, plötzlich ruft mein Vater laut ihren Namen. Der ganze Markt dreht sich um. Dann schreit er quer über den Platz: „Liebst du mich?“ Alle Menschen lachen. Meine Mutter schreit zurück: „Ja, sehr!“ Und er grinst zufrieden wie ein kleiner Junge.

Meine Eltern lieben sich. Meine Mutter hat ihm vieles verziehen, und mein Vater liebt sie auf seine Weise ebenfalls – chaotisch, manchmal kompliziert, aber immer ehrlich.

Kurz nach der Corona-Zeit erfuhren wir, dass mein Vater krank ist. Meine Schwester und ich haben lange geweint. Irgendwann kommt  plötzlich diese Angst: die Angst, diese Sicherheit, die mein Vater immer ausstrahlte, zu verlieren. Erst in solchen Momenten versteht man wirklich, wie sehr die eigenen Eltern das Fundament des eigenen Lebens sind. Ich und meine Schwester haben dann beschlossen, nicht mehr zu heulen. Das gehört auch zum Leben. Und mein Vater mag es auch nicht irgendwie bemitleidet  zu werden. Er genießt sein Leben weiter, trifft sich mit Freunden, trinkt Alkohol, raucht und fährt viel Auto. 

Und wir werden selbstverständlich für unsere Eltern da sein, so wie sie immer für uns da waren und sind. 

Eigentlich ist mein Vater ein ganz gewöhnlicher Mensch. Und gleichzeitig einer dieser seltenen Menschen, die Spuren im Leben anderer hinterlassen.

Das bittere Fest – der 25. Film von Pedro Almodóvar

Es gibt berühmte Regisseure, und es gibt Namen, die in der Kinowelt ihre Spuren hinterlassen und für die Ewigkeit bleiben. Pedro Almodóvar g...