Dienstag, 17. Februar 2026

Alles Liebe, Mama

Heute hat meine Mama Geburtstag.

Und ich wollte unbedingt etwas schreiben.

Ich gehöre zu den Menschen, denen es nicht leichtfällt, Liebe in Worte zu fassen. Ich zeige sie anders. Heute habe ich angerufen. Die Blumen sind schon bestellt. Aber trotzdem hatte ich das Bedürfnis, ein paar Gedanken aufzuschreiben.

Natürlich ist jede Mutter für ihr Kind etwas Besonderes. So soll es auch sein.

Meine Mutter war sehr jung. Mit 18 hat sie zufällig meinen Vater kennengelernt – es war Liebe auf den ersten Blick. Hochzeit. Ein neues Leben. Ein anderes Land. Als sie 19 war  kam ich auf die Welt.

Und so waren wir zwei – meine Mutter und ich – in einem Land, das für sie fremd war. Mein Vater versuchte zunächst in einer anderen großen Stadt sein Glück, später kamen wir nach. Fünf Jahre lang lebten wir in gemieteten Wohnungen. Ein Koffer, nicht viele Dinge – aber viel Hoffnung.

Die Beziehung zu meinem Vater?
Alles andere als einfach. Aber die Liebe war stärker. Sie ist es bis heute. Sie sind immer noch zusammen. Sie haben sich gemeinsam etwas aufgebaut. Und meine Mutter war und ist immer für ihn da. Und für uns sowieso.

Wir haben gute und schwere Zeiten erlebt. Finanziell war es nicht immer leicht. Aber sie hat nie gejammert. Nie.
Sie war auf uns fokussiert – manchmal vielleicht sogar ein bisschen zu sehr.

Sie ist ein einfacher Mensch. Manchmal naiv. Aber gleichzeitig souverän. Sie vergleicht sich mit niemandem. Und manchmal beneide ich sie um genau dieses Gefühl.
Sie ist orientalisch geprägt. Zu Hause bei uns ist sie stark und präsent, draußen kann sie noch immer schüchtern sein. Und selbst als mein Vater gesellschaftlich bekannter wurde, ist sie geblieben, wie sie ist: einfach und bodenständig.

Was sie ausmacht, ist diese hundertprozentige Liebe – ohne Wenn und Aber.
Und ihre Ehrlichkeit. Sie hat nie etwas vorgespielt. Nie mit unseren Gefühlen gespielt.

Natürlich übertreibt sie manchmal mit ihrer Fürsorge und vergisst, dass wir längst erwachsen sind. Aber vielleicht ist genau das die Mutterliebe.

Sie war Hausfrau, weil mein Vater nicht wollte, dass sie arbeitet. Sie hat das akzeptiert.
Aber ich glaube, tief in ihrem Inneren gab es immer diesen Wunsch nach Freiheit. Und genau das habe ich von ihr geerbt.

Meine erste Reise nach Paris verdanke ich ihr. Sie hat mich ziehen lassen. Und sie hat nie ein schlechtes Gewissen in mir erzeugt, als ich meinen eigenen Weg gegangen bin – auch wenn ich weiß, dass sie mich immer noch vermisst und auf mich wartet. 

Empathie. Intuition. Geduld.
Das sind ihre größten Stärken.

Sie kennt uns, ohne dass wir viel erklären müssen. Ihre Intuition ist stark – manchmal fast beängstigend stark. Und ich glaube, auch das habe ich von ihr.

Was ich an meiner Mutter besonders schätze – und was ich von ihr übernommen habe – sind Empathie und Kompromissbereitschaft.

Ich war in der Familie oft diejenige, die unzufrieden war, die sich beschwert hat. Meine Mutter war dann ernst zu mir. Sie sagte immer: „Sei froh. Sei zufrieden mit dem, was du hast. Andere haben das nicht.“ Damals wollte ich das nicht hören. Heute verstehe ich es.

Und wir durften ihr immer alles sagen. Wirklich alles. Mussten wir aber nicht. 

Manchmal machen wir Witze und sagen: „Du weißt doch sowieso alles.“
Und sie lächelt – weil es stimmt.

Sie versteht kein Deutsch. Und diesen Text wird sie nie lesen.
Aber ich wollte ihn trotzdem schreiben.

Danke, Mama.
Ich liebe dich.




P.S. Eigentlich war ich kein Sorgenkind. Aber meine Mutter hat mich paar mal verloren und erzählt das immer wieder.  

  1. Als ich zwei oder drei Jahre alt war, wurde ich von zwei Personen auf dem Markt entführt. Zum Glück hat die Polizei mich gefunden. Ich kann vorstellen, was sie in diesen Stunden gefühlt hat.

  2. Mit fünf bin ich weggelaufen. Wir waren in der Stadtmitte und plötzlich stand ich alleine. Ich dachte, meine Mutti sei weggegangen und ich musste etwas unternehmen. Also bin ich allein einen langen Weg zum Onkel meines Vaters gegangen. Währenddessen hat sie mich verzweifelt mit der Polizei gesucht. 

  3. In meiner ersten Schulwoche kam ich an einem Tag nicht nach Hause. Ich war auf einem Spielplatz und wollte einfach spielen. Sie hat mich weit entfernt von unserem Haus gefunden.



 


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