Mittwoch, 22. April 2026

Wenn Nostalgie vererbt wird

Nostalgie – ein sehr intensives Gefühl. Jeder von uns kennt es, und mindestens einmal im Leben hat man es erlebt. Ich spreche heute jedoch über nostalgisches Heimweh.

Heimweh ist an sich kein schlechtes Gefühl. Es kann etwas Schönes sein, an eigene Heimat oder an eigene Familie oft zu denken. Gleichzeitig kann es aber auch belastend und sogar destruktiv wirken. Besonders betroffen sind Kinder von Migranten.

Ich bin selbst so aufgewachsen. Ich habe es geliebt – und liebe es immer noch –, die Geschichten von früher zu hören. Geschichten meiner Großeltern und meiner Eltern über Orte, aus denen sie kommen, die sie oft lange nicht mehr besucht haben oder vielleicht nie wieder besuchen konnten und die auch ich wahrscheinlich nie sehen werde.

Diese Erzählungen waren für mich sehr lebendig. Ich habe mir alles vorgestellt: die Natur, das Essen, die Menschen, das Leben dort. Teilweise haben wir sogar versucht, gewisse Lebensweisen oder Traditionen beizubehalten.

Kinder nehmen solche Geschichten besonders intensiv auf. Wir wachsen mit Erinnerungen und Erfahrungen auf, die sehr emotional, oft idealisiert und zugleich subjektiv sind. Sie gehören nicht uns direkt, aber sie prägen uns trotzdem stark.

Wenn man noch klein ist und keine eigenen Erfahrungen hat, ist man auf diese Erzählungen angewiesen. So entstehen im Kopf viele Bilder und Vorstellungen, und man fühlt sich automatisch mit diesen Erinnerungen verbunden.

Daraus kann sich ein Gefühl entwickeln, das schwer einzuordnen ist: Man spürt eine Verbindung zu einem Ort oder einer Geschichte, obwohl man selbst nie dort war. Gleichzeitig entsteht manchmal auch das Gefühl, anders zu sein oder zwischen zwei Welten zu stehen.

Man versucht, sich einzuordnen und zu positionieren. Und das ist ein widersprüchliches Gefühl. Einerseits möchte man dazugehören und genauso sein wie alle anderen. Andererseits bleibt dieses Gefühl, nicht vollständig dazuzugehören. Das ist weder gut noch schlecht – es ist einfach eine besondere Erfahrung.

Im Laufe der Zeit verändert sich dieses Gefühl. Bei mir persönlich ist es so, dass ich weniger einen konkreten Ort vermisse, sondern eher eine Zeit oder einen Zustand. Und ich weiß nicht genau, ob das gut oder schlecht ist.

Ich denke, das betrifft viele Kinder von Migranten. Sie wachsen mit der Nostalgie ihrer Eltern und Großeltern auf, sind reich an kulturellem Kontext, müssen sich aber gleichzeitig immer wieder selbst neu positionieren. Sie lernen früh, Unterschiede wahrzunehmen und flexibel damit umzugehen.

Es ist auf seine eigene Weise eine besondere und interessante Erfahrung, ein Kind von Migranten zu sein.


Dienstag, 7. April 2026

Eine wohltuende Auszeit

Ich habe mich auf Ostern vorbereitet – gebacken, kleine Dinge besorgt, alles wie immer verschenkt. Ich habe ein paar Menschen besucht, gelächelt, Gespräche geführt. Und trotzdem war da dieses Gefühl: Ich wollte einfach weg.

Ich hätte Freunde besuchen können, natürlich. Aber selbst das fühlte sich zu viel an. Ich wollte allein sein. Wirklich allein. Ruhe haben – nicht nur um mich herum, sondern auch in mir. Ich glaube, Menschen, die introvertiert sind und ständig von vielen Eindrücken umgeben sind, verstehen dieses Bedürfnis.

Ich war müde. Nicht körperlich, sondern innerlich. Zu viele Gedanken, die sich nicht leise stellen wollten. Und gleichzeitig diese seltsame Leere. Ich wollte nicht weit weg, aber weit genug, um wieder bei mir anzukommen.

Was macht man in so einem Moment? Man geht einfach. Ohne großen Plan. Ich bin zum Bahnhof gegangen, habe auf die Anzeigetafel geschaut – und mich treiben lassen. Ein paar Stunden später war ich an einem anderen Ort. Genau das habe ich gebraucht: Abstand. Keine Stimmen, keine Erwartungen, kein ständiges Erreichbarsein. Nur ich.

So bin ich für zwei Nächte in einem kleinen Spa-Hotel im Schwarzwald gelandet. Es war spontan, vielleicht auch etwas teuer – aber genau richtig. Und obwohl es ein Spa-Hotel war, ging es mir gar nicht um Wellness. Es ging darum, bei mir selbst anzukommen.

Ich habe nichts gemacht. Und genau das war alles. Ich war draußen, viel draußen, in der Natur. Beim Wandern hatte ich nicht einmal das Bedürfnis, Fotos zu machen, etwas zu posten oder mit jemandem zu kommunizieren. Ich war einfach da – still, präsent, ganz bei mir. Langsam wurde es ruhiger in mir.

Auf dem Rückweg habe ich noch meine Freundin in Baden-Baden besucht. Ein Abendessen dort tut immer gut. Wir haben gelacht. Sie kennt mich – sie weiß, dass ich manchmal Abstand brauche. Und so war es wieder in Ordnung.

Jetzt bin ich zurück. Morgen beginnt wieder der Alltag. Aber etwas ist anders – ein kleines Stück mehr bei mir selbst.

Es war ein schönes, langes Wochenende.:)


Der 1. Mai

Der erste Mai ist ein besonderer Tag in unserer Familie. An diesem Tag wird gefeiert: Mein Vater hat Geburtstag, und das bedeutet meistens, ...