Ich liebe den Oktober. Er ist irgendwie mein Monat. Vielleicht, weil er so ist wie ich: mild, nicht zu heiß und nicht zu kalt. Eine kleine Schattenseite hat er allerdings: Ich werde in diesem Monat wieder ein Jahr älter. Und das macht mich jedes Mal ein wenig traurig. Trotzdem gehört der Oktober zu meinen Lieblingsmonaten. Nicht zuletzt, weil ich in dieser Zeit besonders gerne reise.
Hier kommen meine Highlights des Monats.
Film: „Vaterland“
Der Film über Thomas Mann war für mich ein Muss. Meine erste Diplomarbeit habe ich über die Novellen von Thomas Mann geschrieben, und ich kenne mich mit seinen Werken zumindest ein bisschen aus. Deshalb war ich besonders neugierig auf den Film.
„Vaterland“ ist ein Film von Paweł Pawlikowski, der auch das Drehbuch geschrieben hat. Thomas Mann wird von Hanns Zischler gespielt, seine Tochter Erika von Sandra Hüller.
Ein Thema, das mich in letzter Zeit sehr beschäftigt. Wie viel Neutralität ist möglich, wenn die Welt um einen herum immer stärker auseinanderdriftet?
Theater: „Mutter Courage“ in Baden-Baden
Das Stück kenne ich sehr gut und habe schon zahlreiche Inszenierungen gesehen. Eine deutsche Inszenierung hatte ich allerdings bisher noch nicht erlebt. Entsprechend neugierig war ich.
Und ich wurde nicht enttäuscht! Die Aufführung hat mir sehr gut gefallen: eine moderne Interpretation, sehr gelungen und mit guten Schauspielern.
Besonders interessant fand ich den Ansatz, das Stück als Auseinandersetzung mit Zensur und der Freiheit von Kunst und Medien zu verstehen. Themen, die heute wieder erstaunlich aktuell sind.
Auch die Geschichte rund um die Baden-Badener Inszenierung von „Mutter Courage“ im Jahr 1962 hat mich beschäftigt. Sie wurde im Zusammenhang mit dem Vorwurf kommunistischer Propaganda verboten. Das Publikum reiste nach Straßbourg, um das Stück zu sehen.
Das war für mich neu und gleichzeitig etwas irritierend. Denn in dem Teil der Welt, in dem ich aufgewachsen bin, hat man Brechts Stück eigentlich nicht unbedingt mit Kommunismus in Verbindung gebracht. :)
Restaurant: Eine nette Entdeckung in Baden-Baden
Das Pop-up-Restaurant Pop Art Bellini war eine schöne Entdeckung. Es hat sich gezeigt, dass auch ein Pop-up-Projekt durchaus gelingen kann!
Sehr gute Küche, eine schöne Atmosphäre und eine besondere Dekoration, die von Seith aus Karlsruhe gestaltet wurde. Alles in allem ein gemütlicher und genussvoller Abend.
Bücher: Zwei ganz unterschiedliche Lektüren
Zwei Bücher haben mich im Oktober begleitet – und unterschiedlicher könnten sie kaum sein.
„Weh dem, der aus der Reihe tanzt“ von Ludwig Harig
Ein Roman, der sich mit der Kindheit und Jugend während der NS-Zeit beschäftigt. Harig erzählt von den Einflüssen der Ideologie, von Anpassung und davon, wie selbstverständlich man als junger Mensch in die Denkweise seiner Zeit hineinwachsen kann. Eine interessante und nachdenklich machende Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit und der Frage nach persönlicher Verantwortung.
„Outlive: The Science and Art of Longevity“ von Peter Attia, gemeinsam mit Bill Gifford
Ein ganz anderes Thema: Wie können wir nicht nur länger, sondern vor allem gesünder leben?
Der amerikanische Arzt Peter Attia beschäftigt sich mit Ernährung, Bewegung, Schlaf und mentaler Gesundheit. Im Mittelpunkt steht die Idee, nicht einfach möglichst viele Lebensjahre zu sammeln, sondern möglichst lange gesund, aktiv und selbstständig zu bleiben.
Ein umfangreiches Buch mit vielen Denkanstößen. Es bringt einen durchaus dazu, über die eigenen Gewohnheiten und darüber nachzudenken, was man heute für sein zukünftiges Ich tun kann.
Reisen und Wandern
Gereist bin ich im Oktober eher wenig, dafür habe ich umso mehr gewandert.
Österreich stand wieder auf dem Programm. An einem Wochenende war ich erneut in Bezau im Bregenzerwald. Ich liebe die Natur dort, die wunderschöne Landschaft und vor allem diese kleinen, gemütlichen Dörfer. Es gibt Orte, an denen man sich sofort wohlfühlt – Bezau gehört definitiv dazu. Das war mein Oktober.
Und trotz des wieder um ein Jahr gestiegenen Alters: Ich mag dich, Oktober! ❤️
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